Mein viertes Jahr in Hamburg

„Weißt du was ich manchmal denke?
Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst.
Und wenn´s so richtig scheiße ist,
dann ist wenigstens noch die Musik da.
Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist,
da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“
(Floyd zu Telsa in Absolute Giganten)

Es ist schon eine Weile her, dass ich hier geschrieben habe. Nach dem Triathlon war ich erst einmal im Urlaub und danach habe ich kein Thema gehabt, über das ich schreiben wollte. Nun haben wir schon Mitte Oktober und ich habe mit Erschrecken festgestellt, dass ich wie letztes Jahr verpasst habe, über mein viertes Jahr in Hamburg zu schreiben. Jahr vier…. dachte ich nach Jahr drei, dass dieses Jahr nur besser werden kann, traf dies leider nur teilweise zu. Wieder waren es drei Ereignisse, die mein viertes Jahr hier geprägt haben: der erste Triathlon, der wunderbare Urlaub auf Island und der immer noch unbegreifliche Abschied von einem Freund.

Swim, bike run!
Das Jahr 2015 stand ganz unter dem Motto: Überwinde deine Schwimmangst und melde dich bei deinem ersten Triathlon an. Gedacht, gesagt, getan. Am 18.07. absolvierte ich meine erste Sprintdistanz beim ITU World Triathlon. Der Weg dorthin war schrecklich schön, emotional, frustrierend, lustig, anstrengend, aufreibend, motivierend. Ich habe in dieser Zeit ein Rookietagebuch geführt, um für mich festzuhalten, wie die Zeit war, aber auch anderen Mut zu machen, einen Weg, den man sich zuvor nicht vorstellen konnte, einfach zu gehen, ohne sich von seinen Bedenken zurückzuhalten zu lassen. Das Leben ist einfach zu kurz, um nicht das zu tun, was einen glücklich macht und auch mal herausfordet. Ich bin immer noch stolz auf mich, dass ich nach 15 Jahren Wasserabstinenz nun 400 Meter am Stück kraulen kann. Und dabei fällt mir ein: ich sollte mal wieder zum Schwimmtraining gehen, damit ich in 2016 nicht wieder von vorne anfangen muss #derinnereschweinehundlässtgrüßen.
Wer mein Rookietagebuch nicht gelesen hat, kann dies übrigens gerne nachholen und sich einen Motivationsschub für den ersten Triathlon in 2016 abholen :-). Alle Berichte findet ihr hier: Rookie Tagebuch.

Nichts ist selbstverständlich
Auch mein viertes Jahr war überschattet von einem Abschied. Ein Abschied von jemandem, der viel zu früh und unerwartet gehen musste. Es ist etwas anderes, wenn jemand wie mein Vater nach schwerer Krankheit erlöst wird, als wenn ein lieber Mensch, der noch das ganze Leben vor sich hatte, einfach von uns geht, ohne, dass sich darauf überhaupt jemand vorbereiten konnte. Wenn einer diesen unbegreiflichen Verlust in Worte hat fassen können, dann war es mein Freund in seinem letzten Brief an seinen Freund. Nichts ist selbstverständlich und das sollte uns jeden Tag bewusst sein. Für 2016 wünsche ich mir, dass kein geliebter Mensch von uns geht, dass einen meiner Freunde und meine Familie kein unbegreiflicher Verlust ereilt. Das Leben bietet immer Höhen und Tiefen, aber nächstes Jahr darf es gerne mehr Höhen geben.

Die Ruhe nach dem Sturm
Kurz nach dem unglaublich traurigen Verlust waren wir zwei Wochen auf Island. Neben dem Triathlon eines meiner größten Highlights der letzten Jahre. Rausgerissen aus dem Alltag ging es raus in die Natur. Ich kann die Eindrücke hier gar nicht in kurze Worte fassen. Es bedarf einen gesonderten Reisebericht über diese wunderschöne ursprüngliche Insel mit der rauen Natur und den tiefenentspannten Menschen.
Ich hatte mir immer mal wieder vorgenommen, einen Reisebericht zu schreiben, aber bisher fehlte mir die Muße hierzu, weil ich einfach nicht weiß, wo ich anfangen soll. Es gibt so viel zu erzählen, aber die meisten Eindrücke kann man einfach schwer in Worte fassen. Vielleicht sollte ich einfach nur ein Bildertagebuch über die Reise erstellen als das Erlebte in tausende von Worten zu packen. Da der Winter bald vor der Tür steht und die Sonntage nicht mehr auf dem Rennrad verbracht werden, werde ich hierzu sicherlich die Zeit bei einem heißen Kakao auf der Couch finden.

Zum Schluss möchte ich aber doch noch eine kleine Liste erstellen, warum ich Hamburg so liebe und ich mich auf ein weiteres Jahr hier freue:

  • immer noch Laufen an der Außenalster
  • immer noch leckere (vegane) Franzbrötchen
  • immer noch Musik und Wohnzimmerkonzerte, auch wenn diese im Jahr 2015 viel zu kurz gekommen sind…
  • immer noch die Wohnzimmerkinoabende in der Barmbek Street
  • immer noch die Kunstausstellungen in der Affenfaust Galerie
  • immer noch der Ausblick aus meinem Schlafzimmerfenster, wenn im Herbst die Sonne untergeht
  • die Raben, die an kalten Herbsttagen im Baum und auf dem Dach gegenüber meiner Wohnung sitzen
  • das kurze, aber freundliche “Moin” eines Hamburgers
  • die Freiheit auf dem Rennrad an einem sonnigen Sonntagmorgen
  • das gute Gefühl, wenn man sich zum Schwimmtraining überwunden hat und nicht nach 50 Metern untergegangen ist
  • die Rookies und die gemeinsame Zeit bei den Triabolos
  • die vielen lieben Menschen, die ich über den Triathlon bisher kennengelernt habe
  • den unvergesslich emotionalen ersten Start beim ITU World Triathlon
  • und last, but definitely not least: meinen Freund, der seit zwei Jahren immer für mich da ist – du bist nicht selbstverständlich…. daher nur für dich ein Fenster zum Berg für dein Bergweh 😉

Janka goes Triathlon

“It’s very hard in the beginning to understand that the whole idea is not to beat the other runners. Eventually you learn that the competition is against the little voice inside you that wants you to quit.”
George Sheehan

Ab dem 29.04. ist es soweit: Janka goes Rookieprogramm, ein dreimonatiges Training für den ITU World Triathlon unter profesioneller Anleitung von Triabolos-Trainern.

Wie ich dazu gekommen bin? Nachdem ich nun Snowboarden kann (klar, noch bei weitem nicht perfekt), brauchte ich für 2015 eine neue sportliche Herausforderung. Nachdem ich Ende 2014 den wunderbaren Dokumentarfilm “Wechselzeiten” (Trailer siehe Beitragsende) gesehen hatte, war mein Entschluss gefasst: ich wollte das auch schaffen! Ich liebe Laufen, ich fahre gerne Rennrad und ich hasse Schwimmen und kann es auch nicht wirklich gut. 50 Meter und ich gehe unter, vermutlich. Das letze Mal im Wasser war ich glaube ich zu Schulzeiten, als ich schwimmen musste aber seitdem – zu kalt, zu nass, zu bäh. Die perfekte Voraussetzungen, einen Triathlon zu wagen und meine innere wasserscheue Katze zu überwinden.

Das Rookie-Training bei Triabolos geht am 29.04. los und endet mit dem Triathlon am 18.07.2015. Fünf mal die Woche heißt es dann diszipliniert, aber mit Spaß an der Sache, den Körper und Geist fit für diese neue Herausforderung machen.

Rookie-Trainingsplan:
– Mittwoch und Freitag abends: Laufen
– Samstag früh: Schwimmtraining
– Sonntag früh: Radtraining
– Sonntag abend: Rumpfstabilisation

Dazu wird es noch ein Neo-Testschwimmen und einen kleinen Test-Triathlon geben.

Ab Ende März versuche ich vorab noch das Kraulen so zu lernen, dass ich 100 Meter durchhalte ohne komplett unterzugehen. Das wird so eine Qual werden. Manche schmunzeln nun ggf. und fragen sich, was denn am Schwimmen so schlimm ist, aber ich habe meine traumatischen Kindheitsgründe, warum ich einfach nicht gerne im Wasser bin. Daher habe ich mich auch nur zur Sprint-und nicht für die Olympische Distanz angemeldet. 1.5km Schwimmen für den Start ist mir dann doch zu viel. Sprintdistanz heißt: 0,5 km Schwimmen, 22 km Radfahren und 5 km Laufen. Die Strecke findet ihr hier: Streckenverlauf Triathlon.

Das erste Vortreffen der Rookies ist am 20.04. Ich bin schon sehr, sehr gespannt. Am Rookieprogramm werden nur 40 Triathlon-Neulinge teilnehmen und wie schon die Jahre davor war es innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.
Meine Ausrüstung ist auch schon fast komplett. Ich habe einen Badeanzug, Badekappe und Brille, Radoberteil und Hose sowie einen Tritahlonanzug. Fehlt nur noch das Bikefitting am 16.03. bei Trionik.

triathlon_janka
Mein erster Badeanzug seit der Schulzeit und mein allererster Triathlonanzug. Das Training kann kommen!

Ich werde ab Ende April regelmäßig über mein Training und Erfahrungen berichten. Es wird schrecklich schön werden und ich freue mich auf die Höhen und Tiefen. Und wer weiß: Vielleicht wird es 2016 dann die Olympische Distanz werden.

Zum Schluss noch der Trailer von “Wechselzeiten”. Die Doku lohnt wirklich, auch für Nicht-Triathlon Fans.

Fastenzeit 2015 – Diesmal ein wenig anders

Alle Jahre wieder ist die Fastenzeit da und eigentlich nutze ich diese Zeit, um auch für mich vier Wochen lang ein paar Fastenregeln aufzustellen. Bewusster Verzicht tut mir gut und empfinde ich somit als wichtig.
Dieses Jahr hatte ich eigentlich vor, die Regeln noch ein wenig straffer zu machen, aber nun habe ich mich recht spontan dagegen entschieden. Nicht, dass ich die Disziplin nicht habe oder ich zu faul bin, aber im Juli werde ich das erste Mal in meinem Leben an einem Triathlon teilnehmen und hierfür ab Ende April in einer Gruppe trainieren. Das Rookieprogramm geht drei Monate und bedeutet fünf mal die Woche Training, davon drei Einheiten am Wochenende (mehr Details dazu werde ich in einem gesonderten Beitrag schreiben). Das Training wird hart genug und der dreimonatige Verzicht auf ein frei gestaltbares Wochenende und Ausschlafen wird sicherlich auch nicht leicht werden. Zudem wird das Schwimmen für mich eine große körperliche, vor allem aber eine sehr große mentale Herausforderung werden. Die Zeit, die ich bis dahin habe, mag ich nicht mit totalem Verzicht erleben. Ich werde folglich die Fastenzeit zar mitmachen, aber ein wenig entspannter als noch in 2014. Ich werde wie immer auch erst nach meinem Snowboardurlaub starten, da ich grundsätzlich im Urlaub nicht fasten mag. Ich starte daher erst am 09.03. und beende sie am 06.04., damit ich die für mich üblichen vier Wochen voll bekomme.

Hier sind nun meine Regeln in 2015:

  • Es gibt dieses Mal Ausnahmen, die ich fest definiert habe. Das heißt aber nicht, dass ich diese “Joker” wirklich nutzen werde. Außerhalb der Joker-Tage ist sündigen tabu oder kostet das Sündengeld von 25 Euro pro Sünde.
  • Keinerlei Arten von Süßigkeiten und ungesundes Knabberzeugs: Keine vegane Schoki, Gummizeugs, Eis, Kuchen, Müsliriegeln und auch keine Chips und Co. Es gibt hier nur EINE Ausnahme, die ich mir offenhalten mag: eine Geburtstagsfeier am 05.04.
  • Kompletter Alkoholverzicht, außer an den jetzt schon von mir festgelegten Tagen/Begebenheiten: 11.-12.03. Belgrad, 28.03. Wild&Style Back in Town Party, Geburtstagsfeier 05.04.. Aber auch hier gilt: ich halte es mir einfach nur offen.
  • Keine Limonaden wie Cola, Fanta, fertige künstliche Apfelsaftschorle etc. (gesunde bzw. frisch gepresste Fruchtsäfte, Schorlen sind aber ok)
  • Kaffee nur noch am Wochenende, sprich Samstag und Sonntag jeweilse einer. Tee hingegen ist erlaubt, aber kein schwarzer.

Falls ich sündigen sollte, geht die Spende wie immer an Viva con Agua.

Ich kann die Fastenzeit jedem empfehlen, auch wenn ich dieses Jahr ein paar feste Ausnahmen definiert habe. Mir hilft es doch immer wieder, sich auf sich selbst zu besinnen.

Allen, die die Fastenzeit mitmachen, wünsche ich viel Durchhaltevermögen :-).

Mein drittes Jahr in Hamburg

walkintheclouds“Wie oft werden wir von einem scharf ins Auge gefaßten Ziel abgelenkt, um ein höheres zu erreichen! Der Reisende bricht unterwegs zu seinem höchsten Verdruß ein Rad und gelangt durch diesen unangenehmen Zufall zu den erfreulichsten Bekanntschaften und Verbindungen, die auf sein ganzes Leben Einfluß haben. Das Schicksal gewährt uns unsere Wünsche, aber auf seine Weise.”
Johann Wolfgang von Goethe

Da guckt man in den Kalender und denkt sich: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

So schnell ging das Jahr wieder um und nun darf ich seit drei Jahren und ein paar Wochen Hamburg als meinen Heimathafen bezeichnen. In den letzten zwei Rückblicken (Jahr 1 und Jahr 2) habe ich darüber geschrieben, warum ich so gerne in Hamburg bin und was die Hansestadt für mich ausmacht. Dieses Jahr fällt mir dazu irgendwie nichts ein. Nicht, dass das Jahr schlechter gewesen wäre oder Hamburg nichts mehr neues zu bieten hat: Ganz im Gegenteil! Aber mein drittes Jahr in Hamburg war durch ein paar “besondere” Ereignisse geprägt.

Das erste Ereignis war mein Jobwechsel im Oktober 2013 und das Pendeln nahm somit nach zwei Jahren endlich ein Ende. Es war ein ganz neues Lebensgefühl nicht immer “auf dem Sprung” zu sein, montags morgens nicht mehr um 5 Uhr aufstehen und drei Tage bei meiner Mama im Gästezimmer schlafen zu müssen. Endlich konnte ich meine Woche frei gestalten, mich auch Montags Abends in Hamburg verabreden und ich musste nicht schon Sonntag wissen, was ich denn unter der Woche anziehen wollte (jaja typisch Frau, i know). Das Gefühl, endlich zu 100% in Hamburg angekommen zu sein, war und ist immer noch sehr schön.

Nach dem Jobwechsel habe ich dann dieses Frühjahr mein Auto verkauft. War mein Leben seit dem Führerschein davon geprägt, dass ich immer ein Auto zur Verfügung hatte, war dies plötzlich vorbei. Nicht, dass ich mein Auto in Hamburg ohne das Pendeln oft genutzt hätte, aber es war doch schon sehr komisch, plötzlich kein eigenes mehr zu haben. Aber auch das Gefühl ging schnell vorüber, denn wusste ich meinen kleinen Seat ja in guten neuen Händen.

Sportlich habe ich mich im dritten Jahr auch verändert. Snowboarden stand auf dem Plan und dazu viele blaue Flecke, Muskelkater und ein geprelltes Steißbein. Einige von euch haben sicher meinen kleinen Leidensweg, mit über 30 noch das Snowboarden lernen zu wollen, mitverfolgt (Janka gets on Board Teil 1 und Teil 2). Aber durch einen sehr geduldigen Lehrer habe ich es dann geschafft, seit dem Frühjahr so gut fahren zu können, dass ich vermutlich jede blaue und rote Piste nehmen kann. Auch wenn ich sagen muss, dass ich mich wohl nie wirklich richtig “heimisch” im Wintersport fühlen werde im Vergleich zu jemanden, der den Sport schon als Kind oder Teenager gelernt hat. In Sessellifte steige ich mittlerweile ohne Schweißhände ein, nur diese elendigen Schlepplifte sind mir immer noch ein Graus…. Ich kann das einfach nicht und werde es wohl nie richtig lernen. Trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe.

Mein drittes Jahr startete gleichzeitig auch mit einer schlechten Nachricht. Hatten mein Vater und ich zwar kein einfaches Verhältnis, versetzte mich der Anruf meiner Tante, dass er Krebs habe, dann doch in einen Schockzustand… Es ging einige Monate hin und her: Versuchte ich den Kontakt wieder aufzubauen, weigerte er sich, mit mir zu sprechen. Schlussendlich haben wir uns dann wieder angenähert, telefoniert und auch einige schöne Momente zusammen teilen können. Doch zu kurz war die Zeit…. viel zu kurz. Ende August hat mein Vater dann Erlösung in den Armen seiner Familie gefunden. Prägend war dieses Erlebnis und die Gefühle, die man empfindet, wenn jemand in den eigenen Armen stirbt, sind zu schwer in Worte zu fassen. Auch der emotionale Stress einer Beerdigung und einer Haushaltsauflösung ist schwer zu beschreiben. Ich war sehr launisch: extrem gefasst und rational bis hin zu plötzlichen Weinattacken. Danke an dieser Stelle an all diejenigen, die dies ausgehalten und die mich mental unterstützt haben! Love you all.
Zwei Monate hat es dann gedauert, bis alles geregelt war. Die letzte Rechnung, welche für den Grabstein war, kam mit der Danksagung meiner Freunde zur Geburt ihres Kindes. Es waren an diesem Tag die einzigen zwei Briefe im meinem Briefkasten. Heullachend habe ich mir diese zwei Briefe angesehen und wusste, nun kehrt langsam wieder Frieden ein bei mir.

Und plötzlich war es dann November und ich sitze hier in Belgrad auf meinem Hotelzimmer und denke mit: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

 

Alles für die Kuh – Les Deux Alpes horrible

Whatever can go wrong will go wrong.
(Edward A. Murphy)

Bis mittags im feinsten Schnee auf dem Les Deux Alpes Gletscher in 3.600 Meter Höhe Snowboarden, danach runter ins Tal, auf Sommermodus umstellen und wandern gehen, biken oder einfach nur die Sonne genießen. WAS für ein Traumurlaub das letzte Woche für mich war in Les Deux Alpes – zumindest in meiner Vorstellung BEVOR wir dort ankamen…. Dies ist der allererste Anti-Urlaubs-Blogbeitrag, den ich je geschrieben habe und hoffentlich auch der letzte, den ich je schreiben werde. Denn Anti-Urlaubsbeiträge gehören nicht zu der Sorte Blogeinträge, die häufiger hier zu finden sein sollten.

Empfangen mit dem schönsten Wetter bei der Anreise wartete uns die gesamte Urlaubswoche nur mit schlechtem Wetter auf. 10-14 Grad und Regen im Tal, Schnee, Wind und Dauernebel auf dem Gletscher in 3.600 Meter Höhe. Von 6 Skitagen konnte ich sage und schreibe 2 mehr oder weniger nutzen, wobei Abfahrten im Sommer nur von 9 bis 12:30 möglich sind. Sogar die Heizung mussten wir in unserem Appartement anwerfen, weil es aufgrund der geringen Außentemperatur abends und nachts zu kalt war. Heizung mitten im Juli! So was habe ich selbst in meinen drei Jahren in Hamburg nicht gehabt…. Und wenn man dann noch hört, dass es in Hamburg 28-30 Grad sind, dann bekommt man selbst als Erwachsene im Urlaub Heimweh. Danke Murphy für diesen tollen Umstand! Womit bitte habe ich DAS verdient?! So ein böses Mädchen war und bin ich doch gar nicht *grübel*…

Nun an alle Lebensoptimisten, die meinen, ich würde das zu negativ sehen: Ja, ich hätte auch denken können: “Ich kann eh nichts daran ändern und ich werde somit versuchen, das beste daraus zu machen.” Aber WIE bitte soll man aus “Scheiße Gold machen”? Ein geplanter Outdoorsporturlaub, bei dem das Wetter nur an EINEM EINZIGEN TAG wirklich mitspielt? Ich habe es mental zumindest nicht hinbekommen, dass ganz rosarot und sonnig zu sehen – das Glas war einfach komplett leer und wollte sich auch nicht füllen (lassen). Wenn hier jemand ein “Rezept” kennt, dann bitte her damit. Nicht nur für die “ewige” Liebe suche ich die Geheimzutat, sondern auch für Optimismus in schier unerfreulichen (Urlaubs-) Situationen. Die grundsätzlich recht große Sonne in mir kam gegen den Nebel wirklich nicht an.

Nach 6 Tagen Dauerscheißwetter und zumindest von meiner Seite aus mieser Dauerlaune, entschieden wir uns dafür (zugegeben: ICH wollte einfach nur noch heim), einen Tag früher als geplant heimzureisen. Am Abreisetag empfing uns dann morgendlicher Sonnenschein. “ENDLICH“, dachte ich. “wenigstens am letzten Tag noch ein schöner Vormittag auf dem Gletscher.” Voller Vorfreude und höchst motiviert machte ich mich startklar für das Snowboarden. Da aber jeder in dem Örtchen voll motiviert war, war die Schlange am Lift dementsprechend laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaang. Und ich bin ja so ein geduldiger Mensch – nicht.
Nach 1,5 Stunden war ich dann endlich oben und was habe ich gemacht? Genau: Direkt wieder runtergefahren, denn der Gletscher lockte die Massen nach oben und empfing sie dort mit noch schlechterem Wetter als am Vortag: Wind, Schnee, Nebel pur, keine Sicht. Ich fühlte mich mehr als verarscht *pfffff*.
Der Vormittag stand dann ganz unter dem Motto: Schnellstmöglich packen, Appartement sauber machen und Proviant für die Rückreise fertig machen. Das war ein gutes Gefühl. Als wir um 17:30 Uhr endlich Les Deux Alpes verließen, habe ich nicht nur innerlich gejubelt *yeah*.

Mein schwarz gefärbtes Fazit: worse, worst, les2alpes. Der schlechteste Urlaub, den ich je hatte. Klar läuft nicht immer alles rund, aber das ist der erste Urlaub in dem ich nicht mal ansatzweise das machen konnte, wofür ich bezahlt hatte, angereist war und auf was ich mich gefreut hatte: nämlich Snowboarden! Das einzig wirklich schöne waren die An- und Abreisetage und der erste Tag in Les2Alpes. Auf dem Hinweg der Genfer See zur linken Seite und zur rechten die vielen grünen Weinberge, die Besichtigung der Pon de la Caille bei Traumwetter und das Crankworx Downhill Finale am Sonntag. Auch bei der Rückreise erwartete uns, bis auf kurze Regenabschnitte, feinstes Sommerwetter in Deutschland.

Hier noch ein paar Bilder von den schönen und auch unvergesslichen Momenten:

Alles für die Katz, ähhh Kuh....
Alles für die Katz, ähhh Kuh….

Wirklich erholt und zufrieden, wie man sich nach einem Urlaub fühlen sollte, fühle ich mich nun leider nicht. Irgendwie ein sehr unbefriedigendes Gefühl, welches in mir seit Tagen festsitzt. Ich hoffe, dass das derzeitige Sommerwetter in Hamburg und die anstehende Hochzeit am Wochenende dies wieder richten werden. Aber eines steht fest: 2015 wird mich Les2Alpes nicht wiedersehen, sondern ich möchte mir gerne den lang gehegten Wunsch erfüllen, nach Island zu reisen. Das wird zwar wieder kein Sommerurlaub, aber sicher einer der besten Urlaube, die ich je erlebt haben werde – und wehe wenn nicht Murphy!