Von Aalweber bis Zitronenjette – Eine kleine Reise durchs Hamburg Platt

Hatte ich zuvor über die ostwestfälische Sprache gebloggt, muss ich natürlich auch ein Wort über die Sprache meiner neuen Wahlheimat schreiben.
Kleines Lexikon Hamburger Begriffe” von Daniel Tilgner wurde mir von meinem allerliebsten besten Freund und Arbeitskollegen geschenkt (was für eine Lobhudelei 😉 ) und es ist nicht nur deswegen würdig, in einem Blog erwähnt zu werden. Denn das kleine Büchlein ist wirklich sehr schön: Neben 433 Begriffen inkl. Erklärung findet man auch am Rande viele kleine Bildchen mit Hintergrundinformationen zu Hamburg.  Die kleine Reise durch den Hamburger Dialekt kann also beginnen :-).
Das Hamburger Platt hat seinen Ursprung, wie das Ostwestfälische, auch im Niederdeutschen, wobei man hier zusätzlich in verschiedene Mundarten unterscheidet: Geest (Platt, der nicht unmittelbar an der Elbe gesprochen wird.) und Marsch (Platt, der an der Elbe gesprochen wird.). Ein Beispiel für die zwei Mundarten ist das Wort “machen”. Im Geest-Platt würde es “maken” heißen, im Marsch-Platt “moken”.  Aber viel schöner, als darüber zu lesen, ist eigentlich das Hören. Daher hier zwei kleine Videos “Dialektatlas – Hamburgerisch” (Anmerkung: Nur Zuhören, nicht gucken :-D):
Teil 1:

Teil 2:

Fazit: Erst meine Enkelkinder werden echte Hamburger sein. Ich bin nur ein Zugereister, ein “Quiddje“. Hamburger ist nicht gleich Hamburger und Platt ist nicht gleich Platt.
Und nach diesem schön Hörbeispiel natürlich auch noch eine kleine Auswahl an Hamburjer Begriffen aus meinem Buch:

  • angetütert: angetrunken. Das wäre auf ostwestfälisch “angeschickert”. Die Steigerung dazu ist dann “besopen” mit einer “Buddel” voll Rum.
  • antüdeln: anziehen, folglich heißt angetüdelt sein, wenn man fertig angezogen ist. Ok ich sehe schon: in Hamburg wird viel “getüdelt” :-).
  • basch: derb, scharf. Daher also der Begriff “Barmbek Basch”. Derbe Sprache im Arbeiterviertel Barmbek.
  • begöschen: Ok, DAS machen wir Frauen also mit den Männern: Gut zureden mit einem Hintergedanken auf einen Gefallen :-D.
  • büschen: bißchen
  • breegenklöterig: durcheinander… Ja das bin ich auch manchmal.
  • daddeldu: LOL, sehr schön. Ich sage in Zukunft nicht mehr: “So nun ist gut für heute”, sondern “So, nu is daddeldu.”
  • Drümpel: ungeschickter Mensch… Ok Tollpatsch gefällt mir besser :-D. Drümpel klingt es fies.
  • gnadderig oder gnatterig: nörgelig, unzufrieden. Oh ja, mann werde ich gnadderig, wenn ich Hunger habe.
  • Hühn un Pedühn: alle möglichen Leute wie “Hinz und Kunz”.
  • Hummel, Hummel – mors, mors: Hamburger Schlacht- oder Erkennungsruf. “Mors” ist übrigens der plattdeutsche Begriff für “Hintern” oder “Arsch”.
  • Karpfenschnut ziehen: Oh ja auch DAS können wir Frauen gut ;-).
  • Knallköm: Schaumwein wie Sekt oder Champagner.
  • krüsch: wenn man sich anstellt… würde mal sagen das ist am ehesten das Pentant zu “schnücksch”.
  • Lütt un Lütt: Klein und Klein. In der Kneipe bestellt bekommt man daher ein Korn und ein kleines Bier und trinkt dies zusammen. Na, ob ich das mal bestellen mag? Kann ja eigentlich nicht ekliger als ein Mexikaner sein….
  • Puvogel: 😀 Herrlich, der Name für einen Pfau.
  • scheesen: rasen. Ohne scheesen kommt man hier in Hamburg beim Autofahren auf keinen grünen Zweig. Da wird man gnadenlos weggehupt hier.
  • Snööf: Schnupfen.
  • Twiete: Begriff für eine kleine Gasse. Ah ok ich wohne also in einer kleinen Gasse, erbaut vom Architekt Geißler. Sehr schön 🙂

Und zu guter letzt noch ein kleiner Hamburger Abzählreim bzw. zum Abmählen, wie man im Norden sagt:

Elleri-selleri-sibberi-sa-sibberi-sabberi-knull
Klingt wie ein kleiner Zauberreim :-). Mal sehen, was passiert, wenn ich den 10 mal schnell hintereinander aufsage. Ob dann wohl eine Ühz vor mir auftaucht ;-).
Denn bis denn ihr Lieben, nu is daddeldu. Und kiekt mol wedder in!
P.S.: Ich würde mich total über einen kleinen Ausflug ins Österreichische freuen. Ob das Subwort sich wohl dazu hinreißen lässt oder muss ich ihn wohl erst noch ein büschen begöschen? *Ganz lieb guck* und *Karpfenschnut zieh* ;-).

Friggen? Wat isn dat? – Ein kleiner Exkurs ins Ostwestfälische

OWL auch Ostwestfalen genannt ist meine (alte) Heimat, meine Geburtsstätte. Hier habe ich 29 Jahre meines Lebens verbracht. Das ein oder andere mal, insbesondere wenn ich mit Leuten aus Nähe Hannover geredet habe, wurde ich verwirrt angeguckt und gefragt: “Hä? Wasn das? DAS Wort habe ich ja noch nicht gehört! Das ist sicher son Ostwestfalen-Ding. Ihr seid schon komisch….”
Ja, danke dafür, aber ein wenig Recht haben sie ja ;-). Fällt es einem selbst nicht so sonderlich auf, scheinen bestimmte Begriffe einfach völlig ungewohnt und skurril zu klingen. So trug es sich letztens in einem Chat zu, dass ich erwähnte, dass “Frauen eben manchmal schnücksch seien”. Ja ganz genau: schnücksch. Wer sich jetzt wundert, ist ganz sicher kein echter Ostewestfale :-). Nun kam es denn, dass ich einfach mal nach dem Wort gegoogelt habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man das Wort nicht allgemein in Deutschland kennt. Aber Tatsache: ein typisches OWL-Ding dieses schnücksch. Über die Suche bin ich dann zu einem kleinen lustigen Buch gekommen: “Kleines (ost) westfälisches Wörterbuch – Schnücksch zusammengefriemelt” vom Paderborner Achim Elfers.
Und ich muss sagen: Nach 29 Jahren OWL fühle ich mich gerade soooo sehr Hochdeutsch. DAS, was da drinsteht, verwundert selbst mich und ich glaube ich lerne eine neue Fremdsprache und ein Stückchen mehr von meiner Heimat kennen.
Besonders schön finde ich die Einleitung in der z.B. steht – hey ihr Niedersachen da draußen, aufgepasst! – : “Historisch gesehen sind die West- und Ost-Falen dem ursprünglichen Siedlungsgrunde abtrünnige (Nieder-)Sachsen, die in den Süden auswanderten, als sie Mallorca, die Provence und die Toskana noch nicht kannten.” Ja ja da guckt ihr was ?
Das Ostwestfälisch hat seinen Ursprung aus dem Plattdütschen, ist also (alt)sächsischen Ursprungs. Daher sind einige Begriffe auch im Norden bekannt, werden aber anders ausgesprochen und auch vom Kontext her oft anders verwendet. Und damit ihr die Wörter, die ich hier als kleine Kostprobe aufliste, auch richtig aussprecht, nun ein kleiner Abstecher zu eben dieser Aussprache:

  • Vokale müssen oftmals gedehnt werden.
  • Ein “ä” bitte wie ein “e” sprechen. Ist eben voll ostwestfeelisch, ne?
  • Ein Wort auf -er am Ende bitte “imma” mit “a” ausprechen.
  • Ein -g am Ende oder vor anderen Konsonanten imma als “ch” aussprechen wie z.B. “gekricht”, “gesacht” oder “vafolcht”.
  • Ein -ng am Ende wird oft wie ein “nk” ausgesprochen. Ihr wisst also langsam, wo´s lank geht.
  • Ein -s am Anfang wird oft wie ein scharfes S ausgesprochen. Ja, dat ssind sse, die Ostwestfalen, die!
  • Ein doppeltes -ss in der Mitte eines Wortes wird aber oft sanft besprochen. “Fisseln” klingt also wie “fiseln”.
  • Ein -r nach Vokalen, und das ist denke ich das Bekannteste am Ostwestfälischen, klingt eher wie ein “a”. So sind sie Paderborner eben lieber Padaboana.
  • Ein-t am Ende wird oft einfach wech gelassen, denn ein “T” am Ende is nich ;-).

Nachdem ihr also nun die Aussprache kennt, hier ein paar Kostproben aus dem kleine Ostewestfalen-Lexikon. Enjoy it mein kleines Wöatavazaichnis aus dem supa dupa Buch vom Padaboana Achim Elfers:

  • angeschickert: Ist man, nachdem die ersten verkasematuckelten Pinneken oder Pülleken ihre Wirkung entfalten. Genau: leicht betrunken eben.
  • baseln: trottelich fummeln oder fentern
  • behumst: Ist jemand, der durchaus nicht im Verdacht steht, jemals einen Nobelpreis zu erhalten.
  • bei: Wird oft als Ersatz für “zu” verwendet: “Das musste dabei sagen!” oder “Komm doch bei mia voabei.”
  • beömmeln: sich totlachen oder wie das Buch so schön erklärt: Das tun sich die Leute dann, wenn jemand son dummet Tüch labert, das sich die Balken vor Lachen biegen.
  • Bütterken, das: Ganz klein geschnittene Butterbrote.
  • da hinten: Mein eigentlich “Da vorn!”. “Siehste die Karre dahinten?” “Wo?” “Ja, nich hinta mia. Du musst schon nach voane kucken!”
  • fickerich: Ist jemand, der nicht still halten kann….Aha ok :-D….
  • Fissematenten, die: “Visite ma tente” = “Besuche mein Zelt” sagten die Soldaten. Daher der Spruch der Väter zu ihren Töchtern: “Mach keine Visi-ma-tenten.”
  • friggen: Versuchen, die Wahnsinnswallungen um ein Meedchen loszuwerden, indem man es ehelicht. Der freiende Frigger freit also weniger das Meedchen, sondern eher sich aus seinen Zwangsvorstellungen  bezüglich ewiger Liebe. – Äh…… ah ja…. ich bin auch nicht schlauer als vorher :-D.
  • Hömma!: Hör mir zu!
  • Hoppelschuppen: Diskothek
  • Malewe nich!: Mein Lebtag nicht!
  • mickrich: Sind die Chancen auf einen Lottogewinn.
  • Pankauken, der: Reibeplätzchen oder Kartoffelplätzchen
  • schnücksch: wählerisch sein, aber auch ein wenig zickig und eingebildet sein
  • se: sie
  • Spässken, das: Kleiner Spaß. Dat mutt ssien!
  • Tucke, die: Kampfziege… Oder auch manchmal eine Frau ;-).
  • twiers: querköpfig, zwiespältig
  • verhunepipeln: veräppeln

Ich hoffe, ihr versteht uns Ostwestfalen nun ein wenig besser ;-). Und zu guter letzt ein kleines Gedicht:

Öpperken un` Ömmerken
saßen inne Laube.
Schmiss `n sich mit Lebawuast,
Öpperken ins Auge.
Öpperken wurd` frech,
und ich bin wech!

*Winke, Winke* ihr Lieben. Auf bald und gehabt euch wohl. Und immer schön Sport machen und Bio essen :-D.