Please don´t wake Daddy

 “Die Ruhe oder Erregtheit unseres Gemütes hängen nicht so sehr von großen Ereignissen unseres Lebens ab als von einer angenehmen oder unangenehmen Gruppierung der geringfügigsten Dinge, die uns alle Tage begegnen.”
François de La Rochefoucauld

Es ist mal wieder soweit, um zwei lohnenswerte Ausstellungen anzukündigen, welche noch diese Woche starten.

Den Anfang macht Grotesken des Alltäglichen. Vom 27.11. bis 06.12. könnt ihr in der Galerie Spreckstraße im Gängeviertel Malereien, Skulpturen, Foto-Collagen und Videos von Nino Svireli, Jens Rausch, Maaike Dirkx und Boje Arndt Kiesiel sehen. Am Rande des guten Geschmacks bewegen sich die vier künstlerischen Positionen zwischen einer Ästhetik des Absonderlichen, der Verführungen des täglichen Konsumgutes und anderen Absurditäten des täglichen Lebens.

Die Vernissage findet am 27.11. ab 19 Uhr statt, danach könnt ihr von Donnerstags bis Sonntags von 17 bis 20 Uhr in die Ausstellung gehen.

Zwei Tage darauf, am 29.11.2014, eröffnet “Don`t wake Daddy IX”, kurz DWD, bei Feinkunst Krüger. In der Ausstellung sind zum Teil alte Bekannte, aber auch einige Neuzugänge dabei. Gemein ist aber allen, dass sie mittlerweile etabliert sind und einige, wie zum Beispiel Femke Hiemstra, Fred Stonehouse oder Heiko Müller, zu den Stars in ihrem Bereich zählen.

Die Ausstellung läuft vom 30.11. bis 20.12, die Vernissage findet am Samstag, den 29.11.2014 ab 20 Uhr statt.

Dankenswerterweise stand mir der Künstler Boje Arndt Kiesiel, welche auf beiden Ausstellungen vertreten sein wird, für Fragen zur Verfügung. Mehr über Kiesiel und die beiden Ausstellungen erfahrt ihr auf Elbmelancholie: Don´t wake Daddy IX mit den Grotesken des Alltäglichen

Mein drittes Jahr in Hamburg

walkintheclouds“Wie oft werden wir von einem scharf ins Auge gefaßten Ziel abgelenkt, um ein höheres zu erreichen! Der Reisende bricht unterwegs zu seinem höchsten Verdruß ein Rad und gelangt durch diesen unangenehmen Zufall zu den erfreulichsten Bekanntschaften und Verbindungen, die auf sein ganzes Leben Einfluß haben. Das Schicksal gewährt uns unsere Wünsche, aber auf seine Weise.”
Johann Wolfgang von Goethe

Da guckt man in den Kalender und denkt sich: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

So schnell ging das Jahr wieder um und nun darf ich seit drei Jahren und ein paar Wochen Hamburg als meinen Heimathafen bezeichnen. In den letzten zwei Rückblicken (Jahr 1 und Jahr 2) habe ich darüber geschrieben, warum ich so gerne in Hamburg bin und was die Hansestadt für mich ausmacht. Dieses Jahr fällt mir dazu irgendwie nichts ein. Nicht, dass das Jahr schlechter gewesen wäre oder Hamburg nichts mehr neues zu bieten hat: Ganz im Gegenteil! Aber mein drittes Jahr in Hamburg war durch ein paar “besondere” Ereignisse geprägt.

Das erste Ereignis war mein Jobwechsel im Oktober 2013 und das Pendeln nahm somit nach zwei Jahren endlich ein Ende. Es war ein ganz neues Lebensgefühl nicht immer “auf dem Sprung” zu sein, montags morgens nicht mehr um 5 Uhr aufstehen und drei Tage bei meiner Mama im Gästezimmer schlafen zu müssen. Endlich konnte ich meine Woche frei gestalten, mich auch Montags Abends in Hamburg verabreden und ich musste nicht schon Sonntag wissen, was ich denn unter der Woche anziehen wollte (jaja typisch Frau, i know). Das Gefühl, endlich zu 100% in Hamburg angekommen zu sein, war und ist immer noch sehr schön.

Nach dem Jobwechsel habe ich dann dieses Frühjahr mein Auto verkauft. War mein Leben seit dem Führerschein davon geprägt, dass ich immer ein Auto zur Verfügung hatte, war dies plötzlich vorbei. Nicht, dass ich mein Auto in Hamburg ohne das Pendeln oft genutzt hätte, aber es war doch schon sehr komisch, plötzlich kein eigenes mehr zu haben. Aber auch das Gefühl ging schnell vorüber, denn wusste ich meinen kleinen Seat ja in guten neuen Händen.

Sportlich habe ich mich im dritten Jahr auch verändert. Snowboarden stand auf dem Plan und dazu viele blaue Flecke, Muskelkater und ein geprelltes Steißbein. Einige von euch haben sicher meinen kleinen Leidensweg, mit über 30 noch das Snowboarden lernen zu wollen, mitverfolgt (Janka gets on Board Teil 1 und Teil 2). Aber durch einen sehr geduldigen Lehrer habe ich es dann geschafft, seit dem Frühjahr so gut fahren zu können, dass ich vermutlich jede blaue und rote Piste nehmen kann. Auch wenn ich sagen muss, dass ich mich wohl nie wirklich richtig “heimisch” im Wintersport fühlen werde im Vergleich zu jemanden, der den Sport schon als Kind oder Teenager gelernt hat. In Sessellifte steige ich mittlerweile ohne Schweißhände ein, nur diese elendigen Schlepplifte sind mir immer noch ein Graus…. Ich kann das einfach nicht und werde es wohl nie richtig lernen. Trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe.

Mein drittes Jahr startete gleichzeitig auch mit einer schlechten Nachricht. Hatten mein Vater und ich zwar kein einfaches Verhältnis, versetzte mich der Anruf meiner Tante, dass er Krebs habe, dann doch in einen Schockzustand… Es ging einige Monate hin und her: Versuchte ich den Kontakt wieder aufzubauen, weigerte er sich, mit mir zu sprechen. Schlussendlich haben wir uns dann wieder angenähert, telefoniert und auch einige schöne Momente zusammen teilen können. Doch zu kurz war die Zeit…. viel zu kurz. Ende August hat mein Vater dann Erlösung in den Armen seiner Familie gefunden. Prägend war dieses Erlebnis und die Gefühle, die man empfindet, wenn jemand in den eigenen Armen stirbt, sind zu schwer in Worte zu fassen. Auch der emotionale Stress einer Beerdigung und einer Haushaltsauflösung ist schwer zu beschreiben. Ich war sehr launisch: extrem gefasst und rational bis hin zu plötzlichen Weinattacken. Danke an dieser Stelle an all diejenigen, die dies ausgehalten und die mich mental unterstützt haben! Love you all.
Zwei Monate hat es dann gedauert, bis alles geregelt war. Die letzte Rechnung, welche für den Grabstein war, kam mit der Danksagung meiner Freunde zur Geburt ihres Kindes. Es waren an diesem Tag die einzigen zwei Briefe im meinem Briefkasten. Heullachend habe ich mir diese zwei Briefe angesehen und wusste, nun kehrt langsam wieder Frieden ein bei mir.

Und plötzlich war es dann November und ich sitze hier in Belgrad auf meinem Hotelzimmer und denke mit: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

 

So war das Knotenpunkt14 Urban Art Festival

“Steige hinab in den Krater des Kolbenhofes, auf den der Schatten des Urban-Art kurz nach dem Kalenden des Septembers fällt, kühner Reisender, und Du wirst zum Knotenpunkt der Erde gelangen.”

Kurz und knapp: Am vorletzten Wochenende begab ich mich in den Kolbenhof auf das Knotenpunkt14 Urban Art Festival und bewunderte die Werke von mehr als 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern auf über drei Etagen. Meinen Beitrag “Die Reise zum Knotenpunkt der Erde” findet ihr aber nicht hier auf meinem Blog, sondern auf hamburg.de in der Kategorie “So bloggt Hamburg“. Also rüberklicken und lesen und Bilder angucken :-).

 

Auf auf zum Knotenpunkt Urban Art Festival

nychos_mural“Graffiti is one of the few tools you have if you have almost nothing. And even if you don’t come up with a picture to cure world poverty you can make someone smile while they’re having a piss.”

(Banksy – Banging Your Head Against a Brick Wall)

Das Knotenpunkt-Festival geht in die zweite Runde. Vom 02.10. – 05.10.2014 werdet ihr wieder allerhand Kunstwerke im Kolbenhof (Hamburg-Bahrenfeld) bestaunen können. Schon 2013 war die Knotenpunkt13-Ausstellung ein voller Erfolg. Meine Eindrücke vom letzten Jahr könnt ihr auf elbmelancholie.de nachlesen.

Dieses Jahr werden mehr als 50 internationale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke auf drei Etagen und mehr als 850 Quadratmetern ausstellen. Mit dabei sind unter anderem 1010, Aitch, Anton Unai, Base23, Bene Rohlmann, Björn Holzweg, Doppeldenk, El Bocho, Elmar Lause, Flying Förtress, Julia BenzLaurence Vallieres, Nonski, Nychos, Saddo und Zipper die Rakete.

Meinen vollständigen Artikel findet ihr auf elbmelancholie: Knotenpunkt 14 – Das Hamburger Kunstfestival geht in die zweite Runde.

Natürlich wird es auch nachher wieder eine Review geben, diesmal sogar auf hamburg.de unter “So bloggt Hamburg” am 15.10. See you at Knotenpunkt!

Die besten Hamburg Tipps

elbstrand
(c) JankaBee

Nachdem ich den Aufruf von typisch-hamburch gelesen hatte, bei der Blogparade mitzumachen, dachte ich mir, dass ich das mal machen kann. Jeder hat eine andere Sicht auf Hamburg und es kommen sicher ein paar interessante Artikel zusammen.

1. Wo gibt es das beste Fischbrötchen Hamburgs?
Das ist sehr lustig, denn diese Frage kann ich nicht beantworten. Da ich vegan esse und ich Fisch von meinem Speiseplan gestrichen habe, muss dieser Tipp von anderen Bloggern kommen. Ich hoffe, das verstößt nicht gegen die Spielregeln ;-).

2. In welchem Hamburger Club steigen die coolsten Parties?
Ihr stellt Fragen….Das weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau, denn es kommt immer auf die Veranstaltung und meine Laune an. “Die besten Parties” können überall stattfinden, je nachdem, was man will. Ich bin manchmal gerne auf dem Hamburger Berg unterwegs und mache eine kleine Kneipentour, dann gehe ich auch gerne in den Bunker, wenn gute Elektroparties und/oder gute gute Künstler wie Alle Farben dort sind. Auf der Schanze finde ich Kleiner Donner im Kulturhaus 73 sehr gut. Im Sommer liebe ich zudem die Elektro Open Airs. Nicht die großen überfüllten, die langsam zu “Prollveranstaltungen” (10 Jahre Grünanlagen hat mich echt schockiert…) verkommen, sondern die kleinen versteckten, die man nur zufällig entdeckt, wenn man gerade mit dem Bike unterwegs ist.

3. Von wo hat man den besten Blick auf die Alster?
Definitiv von Bodos Bootssteg. Das ist einer meiner Lieblingsplätze. Bei schönem Wetter und am Wochenende sind die Plätze zwar knapp, aber ich sitze dort immer wieder gerne.

4. In welchem Park chillt ihr am liebsten?
Das kommt darauf an, wie faul ich bin. Da der Stadtpark bei mir um die Ecke ist, bietet sich dieser natürlich sehr an. Aber wenn ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin, dann gerne auch Park Fiction.

5. In welcher Hamburger Kneipe gibt es die geilsten Club-Konzerte?
Grundsätzlich kann ich für Konzerte das Knust (im Sommer vor allem die Knust Acoustics), die Hasenschaukel und das Molotow empfehlen. Aber die besten Clubs sind in meinen Augen immer noch die eigenen Wohnzimmer, Gärten oder Dachterrassen. Ich mag die private Atmosphäre und dass die Künstler meistens mit einem reduzierten Set auftreten. Akustik ist eben doch immer noch etwas ganz anderes. Bei dem Projekt Sofar (“Songs from a room”) werden Musikliebhaber in Hamburg und Umgebung zusammengebracht, um in Wohnzimmern den Konzerten zu lauschen. Ich mag dieses kleine Projekt sehr und war schon bei drei wunderbaren Sessions dabei. Wer gerne dabei sein möchte, kann sich in den Verteiler eintragen lassen oder wer selbst gerne einmal ein Konzert bei sich im Wohnzimmer haben mag, kann sich auch einfach bei den Jungs und Mädels von Sofar melden. Was sich auch sicherlich lohnt (ich habe es leider bisher nie geschafft) sind die Schaufensterkonzerte bei Michelle Records. Das ich es dort einmal hinschaffe steht noch auf  meiner ToDo-Liste.

6. Wo kann man in Hamburg am besten shoppen gehen?
Ich shoppe sehr viel im Internet, da ich unter der Woche kaum Zeit habe und am Wochenende einfach lieber andere Sachen mag als Shoppen gehen. Aber wenn ich dann doch einmal die Zeit dafür finde, dann gerne auf der Schanze und im Karolinenviertel einkaufen. Auch Winterhude hat kleine schöne Läden in der Gertigstraße und nahe Mühlenkamp. Es hängt aber wirklich davon ab, was man kaufen mag. Ich mag nicht so gerne großen Einkaufszentren oder riesige Läden. Aber wenn jemand gerne alles auf einen Fleck haben mag, dann ist die Hamburger Meile sicherlich eine gute Möglichkeit.

7. Welches Hamburger Event darf man auf keinen Fall verpassen?
Ich bin ja nicht der Mensch für diese typischen Massenevents, die vorrangig Touristen anziehen. Aber es gibt drei Events, die ich hier für dieses Jahr empfehlen möchte: Das ist zum einen die Kreativnacht St.Pauli (05.09.2014 18-24 Uhr), die diesjährige Knotenpunkt.14 Ausstellung (02.10-05.10.2014) und das RambaZamba Festival im Klubsen (14.11.2014)

8. Wo in Hamburg lässt es sich im Sommer am besten baden?
Ich diese Frage muss ich leider an andere abgeben. Ich gehe wirklich nicht gerne baden und daher habe ich mich damit noch nie beschäftigt. Ich liebe das Meer und Wasser, aber ich muss darin nicht schwimmen…

9. Wo ist der beste Platz mit Blick auf den Hamburger Hafen?
Für mich ist der Alte Elbtunnel hier der beste Platz. Vor allem an lauen Sommerabenden: Rauf aus Bike, durch den alten Elbtunnel und auf der anderen Seite auf der Mauer die Beine und die Seele baumeln lassen.

10. Warum ist Hamburg für Euch die schönste Stadt der Welt?
Da zitiere ich einfach mal den Text, der auf hamburg.de in meinem Bloggerprofil steht:
“Es gibt so viele große, aber auch kleine Dinge, die ich liebe. Hier eine kurze Liste der Hauptgründe, warum ich mich in dieser Stadt zuhause fühle:

  • die Elbe, die Außenalster und die Nähe zum Meer
  • der Hamburger Schnack
  • die vielen kleinen Kunstausstellungen
  • die Musikkultur und im speziellen die Wohnzimmerkonzerte
  • Winterhude und der Ausblick aus meinem Schlafzimmerfenster, wenn im Herbst die Sonne untergeht
  • die Aussicht von der anderen Seite des alten Elbtunnels
  • die Bikerides durch Hamburg auf meinem alten Kondor-Rennrad
  • die mittlerweile recht vielen veganen Essensmöglichkeiten
  • Chillen im Park Fiction und dabei auf den Hafen schauen, auch im Regen”

So, das war´s von meiner Seite aus :-).