Friggen? Wat isn dat? – Ein kleiner Exkurs ins Ostwestfälische

OWL auch Ostwestfalen genannt ist meine (alte) Heimat, meine Geburtsstätte. Hier habe ich 29 Jahre meines Lebens verbracht. Das ein oder andere mal, insbesondere wenn ich mit Leuten aus Nähe Hannover geredet habe, wurde ich verwirrt angeguckt und gefragt: “Hä? Wasn das? DAS Wort habe ich ja noch nicht gehört! Das ist sicher son Ostwestfalen-Ding. Ihr seid schon komisch….”
Ja, danke dafür, aber ein wenig Recht haben sie ja ;-). Fällt es einem selbst nicht so sonderlich auf, scheinen bestimmte Begriffe einfach völlig ungewohnt und skurril zu klingen. So trug es sich letztens in einem Chat zu, dass ich erwähnte, dass “Frauen eben manchmal schnücksch seien”. Ja ganz genau: schnücksch. Wer sich jetzt wundert, ist ganz sicher kein echter Ostewestfale :-). Nun kam es denn, dass ich einfach mal nach dem Wort gegoogelt habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man das Wort nicht allgemein in Deutschland kennt. Aber Tatsache: ein typisches OWL-Ding dieses schnücksch. Über die Suche bin ich dann zu einem kleinen lustigen Buch gekommen: “Kleines (ost) westfälisches Wörterbuch – Schnücksch zusammengefriemelt” vom Paderborner Achim Elfers.
Und ich muss sagen: Nach 29 Jahren OWL fühle ich mich gerade soooo sehr Hochdeutsch. DAS, was da drinsteht, verwundert selbst mich und ich glaube ich lerne eine neue Fremdsprache und ein Stückchen mehr von meiner Heimat kennen.
Besonders schön finde ich die Einleitung in der z.B. steht – hey ihr Niedersachen da draußen, aufgepasst! – : “Historisch gesehen sind die West- und Ost-Falen dem ursprünglichen Siedlungsgrunde abtrünnige (Nieder-)Sachsen, die in den Süden auswanderten, als sie Mallorca, die Provence und die Toskana noch nicht kannten.” Ja ja da guckt ihr was ?
Das Ostwestfälisch hat seinen Ursprung aus dem Plattdütschen, ist also (alt)sächsischen Ursprungs. Daher sind einige Begriffe auch im Norden bekannt, werden aber anders ausgesprochen und auch vom Kontext her oft anders verwendet. Und damit ihr die Wörter, die ich hier als kleine Kostprobe aufliste, auch richtig aussprecht, nun ein kleiner Abstecher zu eben dieser Aussprache:

  • Vokale müssen oftmals gedehnt werden.
  • Ein “ä” bitte wie ein “e” sprechen. Ist eben voll ostwestfeelisch, ne?
  • Ein Wort auf -er am Ende bitte “imma” mit “a” ausprechen.
  • Ein -g am Ende oder vor anderen Konsonanten imma als “ch” aussprechen wie z.B. “gekricht”, “gesacht” oder “vafolcht”.
  • Ein -ng am Ende wird oft wie ein “nk” ausgesprochen. Ihr wisst also langsam, wo´s lank geht.
  • Ein -s am Anfang wird oft wie ein scharfes S ausgesprochen. Ja, dat ssind sse, die Ostwestfalen, die!
  • Ein doppeltes -ss in der Mitte eines Wortes wird aber oft sanft besprochen. “Fisseln” klingt also wie “fiseln”.
  • Ein -r nach Vokalen, und das ist denke ich das Bekannteste am Ostwestfälischen, klingt eher wie ein “a”. So sind sie Paderborner eben lieber Padaboana.
  • Ein-t am Ende wird oft einfach wech gelassen, denn ein “T” am Ende is nich ;-).

Nachdem ihr also nun die Aussprache kennt, hier ein paar Kostproben aus dem kleine Ostewestfalen-Lexikon. Enjoy it mein kleines Wöatavazaichnis aus dem supa dupa Buch vom Padaboana Achim Elfers:

  • angeschickert: Ist man, nachdem die ersten verkasematuckelten Pinneken oder Pülleken ihre Wirkung entfalten. Genau: leicht betrunken eben.
  • baseln: trottelich fummeln oder fentern
  • behumst: Ist jemand, der durchaus nicht im Verdacht steht, jemals einen Nobelpreis zu erhalten.
  • bei: Wird oft als Ersatz für “zu” verwendet: “Das musste dabei sagen!” oder “Komm doch bei mia voabei.”
  • beömmeln: sich totlachen oder wie das Buch so schön erklärt: Das tun sich die Leute dann, wenn jemand son dummet Tüch labert, das sich die Balken vor Lachen biegen.
  • Bütterken, das: Ganz klein geschnittene Butterbrote.
  • da hinten: Mein eigentlich “Da vorn!”. “Siehste die Karre dahinten?” “Wo?” “Ja, nich hinta mia. Du musst schon nach voane kucken!”
  • fickerich: Ist jemand, der nicht still halten kann….Aha ok :-D….
  • Fissematenten, die: “Visite ma tente” = “Besuche mein Zelt” sagten die Soldaten. Daher der Spruch der Väter zu ihren Töchtern: “Mach keine Visi-ma-tenten.”
  • friggen: Versuchen, die Wahnsinnswallungen um ein Meedchen loszuwerden, indem man es ehelicht. Der freiende Frigger freit also weniger das Meedchen, sondern eher sich aus seinen Zwangsvorstellungen  bezüglich ewiger Liebe. – Äh…… ah ja…. ich bin auch nicht schlauer als vorher :-D.
  • Hömma!: Hör mir zu!
  • Hoppelschuppen: Diskothek
  • Malewe nich!: Mein Lebtag nicht!
  • mickrich: Sind die Chancen auf einen Lottogewinn.
  • Pankauken, der: Reibeplätzchen oder Kartoffelplätzchen
  • schnücksch: wählerisch sein, aber auch ein wenig zickig und eingebildet sein
  • se: sie
  • Spässken, das: Kleiner Spaß. Dat mutt ssien!
  • Tucke, die: Kampfziege… Oder auch manchmal eine Frau ;-).
  • twiers: querköpfig, zwiespältig
  • verhunepipeln: veräppeln

Ich hoffe, ihr versteht uns Ostwestfalen nun ein wenig besser ;-). Und zu guter letzt ein kleines Gedicht:

Öpperken un` Ömmerken
saßen inne Laube.
Schmiss `n sich mit Lebawuast,
Öpperken ins Auge.
Öpperken wurd` frech,
und ich bin wech!

*Winke, Winke* ihr Lieben. Auf bald und gehabt euch wohl. Und immer schön Sport machen und Bio essen :-D.

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

14 Gedanken zu „Friggen? Wat isn dat? – Ein kleiner Exkurs ins Ostwestfälische“

  1. heya. glückwunsch zum eigenen Blog! toller Beitrag, auch mich haben einige Dinge nach immerhin 17 Jahren + x (das was jetzt noch wieder dazu kommt) überrascht. ich merk schon, ich brauche einen nachhilfekurs in ostwestfeeehlisch 🙂

  2. Unbeding, wenn noch nicht geschehen das Buch WOLL kaufen oder unter Woll suchen. Es grüßt ein gebürtiger Arnsberger und jetzt Hagener.
    Woll.

  3. Tach Janka,
    bin gebürtig Sälzer (Salzkotten) Danke für den kurzen Exkurs! Trifft es genau.
    Werde wenn ich darf deinen Kurzen Exkurs fast 1:1 in meine Büttenrede einbauen. Viel Spaß beim Snowboarden.
    Gruß
    Tim
    P.S.: der erste Schnee des Winters ist jetzt auch in deiner alten Heimat angekommen

  4. Hallo Janka, hab mich grade köstlich beömmelt!
    Bin seit über zwanzig Jahren Rheinländerin aber im Herzen wohl noch Owl 😉
    Kam mir alles so herrlich bekannt vor und meinen Neusser hier mal “abgefragt”, der hat nicht wierklich viel verstanden ;).
    Wünsche noch einen schönen Tach!

  5. Auch typisch für uns Ost-Westfalen:
    Ich jeh mal nach Omma.
    “g” wird zu “j” und “zu” wird mit “nach” getauscht. 😂
    Außerdem wird das “a” in “nach” kurz gesprochen. 😀

  6. De kerkenkister is von Dach bei jök west , dey het kürt . dey het secht det tete sesnsesich joar worn is .
    der kirchenküster ist heute bei uns gewesen,der hat erzählt . der hat gesagt das terese heute 66 jahre geworden ist.
    Set dech do hönne ,deu woist mich nur beschuiten.
    Setz dich da hin, du willst mich nur “bescheißen”
    Grammatikalisch nicht ganz richtig. Ich kann unser bosseborner platt leider nur etwas sprechen und verstehen, aber leider nicht schreiben
    Schade das der plat bei uns auch ausstirbt

  7. Hallo, meine Großmutter mütterlicherseits kam aus Bad Iburg. (In den 70ern verstorben). Sie sprachen dort alle Plattdeutsch…meine Mutter nicht, konnte es aber verstehen, wie auch wir Kinder.
    Abends vor der alten “Kochmaschine”, sang oder zählte sie Reime auf.
    Hier im Netz habe ich zwei gefunden….

    Puppen-Doktor
    Ach, lieber Doktor Pillermann,
    Sieh dir mal bloß mein Püppchen an;
    Drei Tage hat es nichts gegessen,
    Hat immer so stumm dagesessen,
    Die Arme hängen ihr wie tot,
    Sie will nicht einmal Zuckerbrot!
    Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
    ist diese Krankheit sehr gefährlich?
    Madame, Sie ängstigen sich noch krank!
    Der Puls geht ruhig, Gott sei Dank;
    Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
    Sie muß zu Bett, muß tüchtig schwitzen,
    Dann wird es morgen besser sein.
    Empfehl mich!
    Das zweite auf Platt hat mich jetzt nach vielen, vielen Jahren zum Schmunzeln gebracht.
    Die Version für uns Kinder lautete so:
    Hänschen saß auf dem Schornstein und putzte seine Schuh,
    da kam ein kleines Mädchen an, und schaut ihm “niepe”? zu,
    Mädchen, wenn du spielen willst, dann spiele du mit mir,
    ich hab so einen blanken Taler, den gebe ich dann dir.
    Ich spiele nicht, ich spiele nicht, du hast so einen schlimmen Fuß.
    Schmier Salbe drauf, schmier Salbe drauf, dann ist der Fuß wieder gut.
    Wohlgemerkt sagte sie es auf Platt, kann ich nicht wiedergeben.
    Jetzt habe ich hier im Netz den Originalreim gefunden und musste lachen….dieser Text ist wahrlich nicht für Kinderohren bestimmt… 🙂

    Hänsken satt up’n Schottsteun (Lippe)
    Hänsken satt up’n Schottsteun
    un flicke süinen Scheoh,
    do kam en wacker Meken
    un keick seo nüiwer teo.
    Meken! wenn diu fruiggen wutt,
    seo fruigge müi;
    ek häwwe’n blanken Daler,
    den gieb’ek düi.
    Meken! deo’t nich, Meken, deo’t nich,
    heu hät en scheufen Feot.
    Schmeer Salben up, schmeer Salben up,
    dann wert heu wedder geot. 🙂 🙂

    Schön, dass es Internet gibt.

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