Mein drittes Jahr in Hamburg

walkintheclouds“Wie oft werden wir von einem scharf ins Auge gefaßten Ziel abgelenkt, um ein höheres zu erreichen! Der Reisende bricht unterwegs zu seinem höchsten Verdruß ein Rad und gelangt durch diesen unangenehmen Zufall zu den erfreulichsten Bekanntschaften und Verbindungen, die auf sein ganzes Leben Einfluß haben. Das Schicksal gewährt uns unsere Wünsche, aber auf seine Weise.”
Johann Wolfgang von Goethe

Da guckt man in den Kalender und denkt sich: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

So schnell ging das Jahr wieder um und nun darf ich seit drei Jahren und ein paar Wochen Hamburg als meinen Heimathafen bezeichnen. In den letzten zwei Rückblicken (Jahr 1 und Jahr 2) habe ich darüber geschrieben, warum ich so gerne in Hamburg bin und was die Hansestadt für mich ausmacht. Dieses Jahr fällt mir dazu irgendwie nichts ein. Nicht, dass das Jahr schlechter gewesen wäre oder Hamburg nichts mehr neues zu bieten hat: Ganz im Gegenteil! Aber mein drittes Jahr in Hamburg war durch ein paar “besondere” Ereignisse geprägt.

Das erste Ereignis war mein Jobwechsel im Oktober 2013 und das Pendeln nahm somit nach zwei Jahren endlich ein Ende. Es war ein ganz neues Lebensgefühl nicht immer “auf dem Sprung” zu sein, montags morgens nicht mehr um 5 Uhr aufstehen und drei Tage bei meiner Mama im Gästezimmer schlafen zu müssen. Endlich konnte ich meine Woche frei gestalten, mich auch Montags Abends in Hamburg verabreden und ich musste nicht schon Sonntag wissen, was ich denn unter der Woche anziehen wollte (jaja typisch Frau, i know). Das Gefühl, endlich zu 100% in Hamburg angekommen zu sein, war und ist immer noch sehr schön.

Nach dem Jobwechsel habe ich dann dieses Frühjahr mein Auto verkauft. War mein Leben seit dem Führerschein davon geprägt, dass ich immer ein Auto zur Verfügung hatte, war dies plötzlich vorbei. Nicht, dass ich mein Auto in Hamburg ohne das Pendeln oft genutzt hätte, aber es war doch schon sehr komisch, plötzlich kein eigenes mehr zu haben. Aber auch das Gefühl ging schnell vorüber, denn wusste ich meinen kleinen Seat ja in guten neuen Händen.

Sportlich habe ich mich im dritten Jahr auch verändert. Snowboarden stand auf dem Plan und dazu viele blaue Flecke, Muskelkater und ein geprelltes Steißbein. Einige von euch haben sicher meinen kleinen Leidensweg, mit über 30 noch das Snowboarden lernen zu wollen, mitverfolgt (Janka gets on Board Teil 1 und Teil 2). Aber durch einen sehr geduldigen Lehrer habe ich es dann geschafft, seit dem Frühjahr so gut fahren zu können, dass ich vermutlich jede blaue und rote Piste nehmen kann. Auch wenn ich sagen muss, dass ich mich wohl nie wirklich richtig “heimisch” im Wintersport fühlen werde im Vergleich zu jemanden, der den Sport schon als Kind oder Teenager gelernt hat. In Sessellifte steige ich mittlerweile ohne Schweißhände ein, nur diese elendigen Schlepplifte sind mir immer noch ein Graus…. Ich kann das einfach nicht und werde es wohl nie richtig lernen. Trotzdem bin ich stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe.

Mein drittes Jahr startete gleichzeitig auch mit einer schlechten Nachricht. Hatten mein Vater und ich zwar kein einfaches Verhältnis, versetzte mich der Anruf meiner Tante, dass er Krebs habe, dann doch in einen Schockzustand… Es ging einige Monate hin und her: Versuchte ich den Kontakt wieder aufzubauen, weigerte er sich, mit mir zu sprechen. Schlussendlich haben wir uns dann wieder angenähert, telefoniert und auch einige schöne Momente zusammen teilen können. Doch zu kurz war die Zeit…. viel zu kurz. Ende August hat mein Vater dann Erlösung in den Armen seiner Familie gefunden. Prägend war dieses Erlebnis und die Gefühle, die man empfindet, wenn jemand in den eigenen Armen stirbt, sind zu schwer in Worte zu fassen. Auch der emotionale Stress einer Beerdigung und einer Haushaltsauflösung ist schwer zu beschreiben. Ich war sehr launisch: extrem gefasst und rational bis hin zu plötzlichen Weinattacken. Danke an dieser Stelle an all diejenigen, die dies ausgehalten und die mich mental unterstützt haben! Love you all.
Zwei Monate hat es dann gedauert, bis alles geregelt war. Die letzte Rechnung, welche für den Grabstein war, kam mit der Danksagung meiner Freunde zur Geburt ihres Kindes. Es waren an diesem Tag die einzigen zwei Briefe im meinem Briefkasten. Heullachend habe ich mir diese zwei Briefe angesehen und wusste, nun kehrt langsam wieder Frieden ein bei mir.

Und plötzlich war es dann November und ich sitze hier in Belgrad auf meinem Hotelzimmer und denke mit: “Scheiße, wieder ein Jahr Hamburg um und ich habe es verpasst. Zeit, meinen Blogartikel über drei Jahre Hamburg zu schreiben…”

 

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

2 Gedanken zu „Mein drittes Jahr in Hamburg“

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