Abrechung: Ende der Fastenzeit

Einige der Leser erinnern sich vielleicht an unsere Fastenzeitaktion: In der Fastenzeit bestimmte Sachen nicht essen und jede Sünde kostet 25 Euro Spendengeld. Mehr erfahrt ihr im Originalartikel “Über Zürich, Schlemmen, Bio, Essensumstellung und Fasten“. Nun, am 08.04.2012, ist es soweit. Der Tag der Abrechung ist gekommen.
Fazit: Wir haben jeweils 1 mal gesündigt. Das bedeutet Gleichstand und 25 Euro für jeden. Ich spende also an das Kinderhospiz Löwenherz 25 Euro und das Subwort an Viva con Aqua 25 Euro.
Aber wie kam es zu den Sünden? Eigentlich haben wir beide sehr gut ohne ausgehalten, aber dann gab es doch diese zwei Ausnahmen.
Als erster hat das Subwort gesündigt. Grund war der leckere Kirsch-Nuss-Kuchen in Gretchens Villa. Auslöser war aber wohl eher ich. Ich war den ganzen Tag schon nölig, sprunghaft, leicht von mir selbst angenervt. Ich hatte Bock auf Schokokuchen, durfte aber nicht. Frauen wissen was ich meine, wenn man als Frau einmal im Monat plötzlich soooo einen Appetit auf Schoki hat ;-). Aber mein Ehrgeiz nicht zu sündigen stand mir im Weg und hat mich noch unleidlicher gemacht. An Marcus Stelle hätte ich mich selbst glaube ich stehen gelassen oder mir den Kuchen zwangsweise in den Schmollmund gestopft :-D. Aber er wählte eine andere Strategie, nämlich die des Voressens. Hat leider nichts gebracht und ich verschmähte den lecker Schoko-Käse-Kuchen, der mich vom Tresen her anlächelte. Damit war Sünde Nummer 1 durch das Subwort begangen, während ich standhaft blieb.
Meine Sünde entstand dann aus einem totalen Frust heraus. Hatte ich schon Tage vorher immer wieder das Bedürfnis auf Schokolade, kam es am 04.04. zu einer Situation, in der ein Schokoriegel meine letze Rettung war: Ein 16 km Stauf auf der A2 bei Lauenau. Pünktlich von der Arbeit um 17 Uhr 30 losgefahren, stand ich schnell im Stau. Und wenn ich “stehen” schreibe meine ich auch “stehen”…. Nach gefühlten 5 Stunden ging es dann weiter und am nächsten Rastplatz machte ich halt. Völlig gefrustet tankte ich und kaufte mir einen Lion White an der Kasse. Eigentlich wollte ich ihn nur “besitzen” und anstarren, jedoch nicht essen. Aber nach 30 Minuten Autofahrt machte meine Hand sich selbstständig und schob den Riegel in meinen Mund, der mich wie meine Hand im Stich ließ und sich noch nicht einmal wehrte. Damit wars besiegelt, die Sünde begangen. Und ehrlich gesagt: Der Riegel war geil und die Sünde in dem Moment ein MUSS. Meine Laune wurde schlagartig besser und der Stau war vergessen.  Wer konnte ahnen, dass ich in Hamburg dann noch eine weitere Stunde nach einem Parkplatz suchen musste. Bis ich schließlich mit Sack und Pack in meiner Wohnung war, war es 23 Uhr 30. 6 Stunden Frust und nur 1 Schokoriegel halte ich daher für vertretbar ;-).
Mein Fazit der Aktion in Summe: Es lohnt sich, wenn man sich mal darauf besinnen will, WAS man alles so isst. Man lernt wieder, dass Verzichten gar nicht so schwer ist. Nach der Fastenzeit werde ich für meinen Teil bestimmte Dinge beibehalten: keine Softdrinks mehr, maximal 1-2 Kaffee am Tag, kein Fastfood (meint z.B. Pommes und Veggieburger bei MC Donalds und nicht selbstgemachte Fries und Veggieburger in einem guten Restaurant). Kuchen, Kekse, Schokolade, Joghurt Gums und auch mal kleine Knabbersachen werde ich weiterhin essen. Aber es muss was “Besonderes” bleiben und nicht zur Regelmäßigkeit werden.

Damals in der Schule – Fundstück beim Aufräumen

Da räumt man mal die Schublade auf und was findet man da? In einem kleinen Buch mit selbstgeschrieben Gedichten auch ein kleines Liebesgedicht, welches zu Zeiten der Oberstufe im Rahmen des Deutschkurses entstanden ist. Aufgabe war es, bestimmte Schlüsselwörter zu verbauen (fett markiert). Ich musste schmunzeln beim Lesen und dachte, ich enthalte euch dieses kleine Meisterwerk an kitschigem Liebesgedicht und phänomenalen Reimschema nicht vor :-D.

Mein Herz im Liebesrausch verloren,
hat dich, meinen Liebsten, auserkohren.
Machst mich verrückt mit deinem Lilienblicke,
bist für mich die Lebensmitte.
Auch deine gar so lieblich Lippenworte
begleiten mich an jedem Orte.
Trag dich in mir, im Liebesherzen,
und lass mich vergessen jede Schmerzen.
Ach, gern hätt ich deinen Lippenklett,
würd dich verführen ganz kokett.
Somit erwider mein Begehren
und unser Glück wird ewig währen.

Sodele, schöne Osterfeiertage euch und noch bis morgen 24 Uhr, dann ist die Fastenzeit vorbei ;-). Update zum Ausgang gibts dann am Ostersonntag.

Urlaubswoche – Tattoowoche

Diese Woche hatte ich Urlaub. Neben Fenster putzen, Hirschgeweih schwarz lackieren, ein Fahrrad bei Ebay Kleinanzeigen kaufen, ausschlafen, lecker Kochen, das schöne Wetter und Hamburg genießen, Essen gehen bei meinem Lieblingsitaliener “A Modo Mio” und Abends Star Wars Episoden 1 bis 3 gucken, habe ich mich bei Bernd von Tattoo Freestyle in Harburg tätowieren lassen. Endlich ziert das dritte Tattoo meine rechte Körperseite. Wer mich nicht kennt, vermutet nicht, dass ich auf Tattoos stehe und vor allem selbst welche habe. Aber weit gefehlt: Ich steh drauf! Nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen ;-).
Es gibt viele Gründe für Tätowierungen: Sei es, weil man es einfach schön findet, weil es aus einer Laune heraus passiert und oft als “Jugendsünde” abgetan wird, oder weil man einen Teil von sich ausdrücken bzw. einen Lebensabschnitt festhalten will. Ich selbst stehe auf Tattoos mit Bedeutung, mit einer Geschichte. Blumen, Tribals oder Delfine als Tattoos gibt es auch heute immer noch, aber sie würden für mich selbst nicht in Frage kommen. Für mich muss eine Tätowierung nicht einfach nur gut aussehen. Ich möchte über das Tattoo etwas über den Menschen erfahren, der es trägt. Was steckt dahinter? Was hat einen bewegt? Denn schließlich ist es für immer und nicht ein Haarschnitt, den man sich schneiden lässt.
Zugegeben mein erstes Tattoo, welches ich mit 19 habe stechen lassen, war zwar wohl überlegt, aber ist zu einer Zeit entstanden, in der es mir noch nicht wichtig war, mich selbst in diesem Tattoo wiederzufinden. Daher wurde es das typische Tribal auf dem Steiß, ein “Arschgeweih” eben.  Danach habe ich zehn Jahre lang gewartet bis der Wunsch zur zweiten Tätowierung entstanden ist. Seit 2010 ziert somit ein Zitat von Joseph Joubert meine Innenseite am linken Oberarm. Hintergrund bei dem Tattoo ist die permanente Erinnerung daran, wie ich leben möchte. “La raison peut nous avertir de ce qu’il faut éviter, le coeur seul nous dit ce qu’il faut faire.” Was so viel heißt wie: Höre auf dein Herz. Denn das ist das, was ich in meinem Leben nicht vergessen möchte: Leben, so dass es mich glücklich macht, und nicht leben, weil es die eigene Vernunft oder die Gesellschaft es so wollen. Viele Jahre habe ich mehr nach meinem Kopf gelebt und glücklich hat mich das nicht gemacht. Nicht ohne Grund bin ich aus OWL weg und nach Hamburg gezogen. Denn Hamburg war immer meine Wunschstadt. Die Gründe, warum ich in OWL so viele Jahre geblieben bin, waren eher rationaler und “sicherheitsliebender” Natur. Aber es ist nicht leicht, seinen Kopf auszuschalten und endlich das zu tun, was einen glücklich macht. Denn oft geht dies nicht ohne Wunden zu hinterlassen –  bei einem selbst und bei anderen. Nun, zwei Jahre später, habe ich das dritte Tattoo. Der Wunsch dazu entstand schon im Sommer 2011. Es sollte ein Rippentattoo auf der rechten Körperseite werden und wieder einen Schriftzug enthalten. Aber was genau wusste ich nicht. Im Herbst 2011 ist dann meine Oma gestorben. Ich habe für sie einen Blogbeitrag geschrieben, welchen ich auch in ein wenig gekürzter Fassung auf ihrer Beerdigung vorgetragen habe. Nach ihrem Tod formte sich die Idee des Tattoos: Das Zitat von meinem Lieblingsdichter Rilke in Verbindung mit einem Engel. Das Zitat “Wenn Du an mich denkst, erinnere Dich an die Stunde, in welcher Du mich am liebsten hattest.” verbinde ich aber nicht nur mit dem Tod meiner Oma, sondern halte ich grundsätzlich für eine wunderbare und schöne Einstellung zum Thema Tod und Abschied. Da meine Oma Engel sehr mochte, wollte ich diesen Satz mit einem Engel im Hintergrund umschließen. Da ich kein Künstler bin, musste ich also einen Tätowierer finden, welcher meine Idee so umsetzen konnte, so dass das Motiv nicht kitschig wirkt. Folglich begann meine Suche nach einem passenden Tätowierkünstler. Bis ich von einem Arbeitskollegen auf Tattoo Freestyle aufmerksam gemacht wurde, habe ich mir diverse Studios angesehen und war schockiert von solchen Aussagen wie: “Ja ok, lad dir die Schrift und das Bild eines Engels aus dem Internet runter und dann stechen wir dir das dann.” Bitte?! Ich wollte doch kein Bild aus dem Internet tätowiert haben, sondern etwas einzigartiges gestochen bekommen. Bei Bernd in Harburg habe ich mich dann sofort wohlgefühlt und als Künstler versicherte er mir, dass er selbst Entwürfe zeichnet und nicht etwas Zusammenkopiertes aus dem Internet nehmen würde. Somit habe ich dann im November 2011 den Termin für März 2012 gemacht – genug Zeit zur Ausarbeitung des Entwurfes. Aber DAS gestaltete sich doch alles schwieriger als geplant. Irgendwie passte keiner der Entwürfe so richtig in das Bild, welches ich haben wollte und welches sich im Kopf festgesetzt hatte. Am 27.03.2012 war es dann soweit und bis zu meinem Termin um 13 Uhr hatte ich (leider) immer noch keinen Komplett-Entwurf, welchen ich mir tätowieren lassen wollte. Die Schrift stand fest und auch der kleine Totenkopf, aber der Engel bereitete mir Unwohlsein im Bauch. Ich wusste nicht genau, was es war, aber etwas störte mich. Zeichnerisch waren die Entwürfe von Bernd allesamt perfekt, aber auf meinen Körper für immer? Unvorstellbar! Ich war sooooo kurz davor abzusagen….Aber nach guter Zusprache von Bianca via Facebookchat fuhr ich dann doch nach Harburg, um mit Bernd persönlich zu sprechen. Innerlich hatte ich mich aber schon von meiner Tätowierung verabschiedet. Doch unverhofft kommt wie immer oft. Auf dem Weg nach Harburg und mit Deichkinds “Illegale Fans” im Ohr formte sich ein Bild in meinem Kopf und dieses Bild besprach ich direkt mit Bernd vor Ort und innerhalb von 15 Minuten wars fertig :-). Danach begannen zwei Stunden Schmerzen (ja, es tat echt weh), aber auch die Vorfreude auf das geile Tattoo. Und dann wars endlich soweit: Der Blick in den Spiegel und ich muss sagen ich war wirklich extrem begeistert, weil es noch besser geworden ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Und daher auch hier das Bild meines neuen Tattoos, weil ich es euch Lesern nicht vorenthalten mag ;-).

Es sieht aus wie gezeichnet. Markenzeichen von Bernd und genau das, was ich wollte. Das Zitat und der Totenkopf sind geblieben, aber der Engel ist, bis auf den Flügel, komplett entfallen. Denn was mich an den vorherigen Entwürfen wirklich gestört hat waren die menschlichen “Elemente” wie Körper, Kopf und Arme. Ohne diese wirkt es einfach klasse und der Flügel passt perfekt zu der Position auf den Rippen. Mein neues Tattoo tut noch ein wenig weh, aber das Heiljucken (ich finde das Jucken persönlich schlimmer als die Schmerzen beim Tätowieren selbst…) fängt schon an.
Vor Ort habe ich direkt mit Bernd für den 10.10.2012 einen neuen Termin gemacht. Was ansteht? Ein Cover Up des Steiß Tattoos, meiner (einzigen 😀 ) “Jugendsünde”. Ich stehe zwar zu dem Tattoo, aber es passt nicht mehr zu mir. Es hat keine Bedeutung mehr für mich und die soll es wieder bekommen. Die Idee steht schon und das Bild in meinem Kopf auch. Noch sechs Monate warten, aber auch die gehen schnell vorbei :-).
Am kommenden Osterwochenende geht es dann zur 13. Tattoo Convention in Hamburg. Da wird es sicher einiges zum Gucken geben :-).
Abschließen möchte ich heute mit einem wunderbaren Zitat von Neil Gaimen aus dem wundervollen Buch “The Graveyard Book“: “Face your life, its pain, its pleasure, leave no path untaken.”

Denn bis denn und euch allen ein schönes Restwochenende.

Von Aalweber bis Zitronenjette – Eine kleine Reise durchs Hamburg Platt

Hatte ich zuvor über die ostwestfälische Sprache gebloggt, muss ich natürlich auch ein Wort über die Sprache meiner neuen Wahlheimat schreiben.
Kleines Lexikon Hamburger Begriffe” von Daniel Tilgner wurde mir von meinem allerliebsten besten Freund und Arbeitskollegen geschenkt (was für eine Lobhudelei 😉 ) und es ist nicht nur deswegen würdig, in einem Blog erwähnt zu werden. Denn das kleine Büchlein ist wirklich sehr schön: Neben 433 Begriffen inkl. Erklärung findet man auch am Rande viele kleine Bildchen mit Hintergrundinformationen zu Hamburg.  Die kleine Reise durch den Hamburger Dialekt kann also beginnen :-).
Das Hamburger Platt hat seinen Ursprung, wie das Ostwestfälische, auch im Niederdeutschen, wobei man hier zusätzlich in verschiedene Mundarten unterscheidet: Geest (Platt, der nicht unmittelbar an der Elbe gesprochen wird.) und Marsch (Platt, der an der Elbe gesprochen wird.). Ein Beispiel für die zwei Mundarten ist das Wort “machen”. Im Geest-Platt würde es “maken” heißen, im Marsch-Platt “moken”.  Aber viel schöner, als darüber zu lesen, ist eigentlich das Hören. Daher hier zwei kleine Videos “Dialektatlas – Hamburgerisch” (Anmerkung: Nur Zuhören, nicht gucken :-D):
Teil 1:

Teil 2:

Fazit: Erst meine Enkelkinder werden echte Hamburger sein. Ich bin nur ein Zugereister, ein “Quiddje“. Hamburger ist nicht gleich Hamburger und Platt ist nicht gleich Platt.
Und nach diesem schön Hörbeispiel natürlich auch noch eine kleine Auswahl an Hamburjer Begriffen aus meinem Buch:

  • angetütert: angetrunken. Das wäre auf ostwestfälisch “angeschickert”. Die Steigerung dazu ist dann “besopen” mit einer “Buddel” voll Rum.
  • antüdeln: anziehen, folglich heißt angetüdelt sein, wenn man fertig angezogen ist. Ok ich sehe schon: in Hamburg wird viel “getüdelt” :-).
  • basch: derb, scharf. Daher also der Begriff “Barmbek Basch”. Derbe Sprache im Arbeiterviertel Barmbek.
  • begöschen: Ok, DAS machen wir Frauen also mit den Männern: Gut zureden mit einem Hintergedanken auf einen Gefallen :-D.
  • büschen: bißchen
  • breegenklöterig: durcheinander… Ja das bin ich auch manchmal.
  • daddeldu: LOL, sehr schön. Ich sage in Zukunft nicht mehr: “So nun ist gut für heute”, sondern “So, nu is daddeldu.”
  • Drümpel: ungeschickter Mensch… Ok Tollpatsch gefällt mir besser :-D. Drümpel klingt es fies.
  • gnadderig oder gnatterig: nörgelig, unzufrieden. Oh ja, mann werde ich gnadderig, wenn ich Hunger habe.
  • Hühn un Pedühn: alle möglichen Leute wie “Hinz und Kunz”.
  • Hummel, Hummel – mors, mors: Hamburger Schlacht- oder Erkennungsruf. “Mors” ist übrigens der plattdeutsche Begriff für “Hintern” oder “Arsch”.
  • Karpfenschnut ziehen: Oh ja auch DAS können wir Frauen gut ;-).
  • Knallköm: Schaumwein wie Sekt oder Champagner.
  • krüsch: wenn man sich anstellt… würde mal sagen das ist am ehesten das Pentant zu “schnücksch”.
  • Lütt un Lütt: Klein und Klein. In der Kneipe bestellt bekommt man daher ein Korn und ein kleines Bier und trinkt dies zusammen. Na, ob ich das mal bestellen mag? Kann ja eigentlich nicht ekliger als ein Mexikaner sein….
  • Puvogel: 😀 Herrlich, der Name für einen Pfau.
  • scheesen: rasen. Ohne scheesen kommt man hier in Hamburg beim Autofahren auf keinen grünen Zweig. Da wird man gnadenlos weggehupt hier.
  • Snööf: Schnupfen.
  • Twiete: Begriff für eine kleine Gasse. Ah ok ich wohne also in einer kleinen Gasse, erbaut vom Architekt Geißler. Sehr schön 🙂

Und zu guter letzt noch ein kleiner Hamburger Abzählreim bzw. zum Abmählen, wie man im Norden sagt:

Elleri-selleri-sibberi-sa-sibberi-sabberi-knull
Klingt wie ein kleiner Zauberreim :-). Mal sehen, was passiert, wenn ich den 10 mal schnell hintereinander aufsage. Ob dann wohl eine Ühz vor mir auftaucht ;-).
Denn bis denn ihr Lieben, nu is daddeldu. Und kiekt mol wedder in!
P.S.: Ich würde mich total über einen kleinen Ausflug ins Österreichische freuen. Ob das Subwort sich wohl dazu hinreißen lässt oder muss ich ihn wohl erst noch ein büschen begöschen? *Ganz lieb guck* und *Karpfenschnut zieh* ;-).

Friggen? Wat isn dat? – Ein kleiner Exkurs ins Ostwestfälische

OWL auch Ostwestfalen genannt ist meine (alte) Heimat, meine Geburtsstätte. Hier habe ich 29 Jahre meines Lebens verbracht. Das ein oder andere mal, insbesondere wenn ich mit Leuten aus Nähe Hannover geredet habe, wurde ich verwirrt angeguckt und gefragt: “Hä? Wasn das? DAS Wort habe ich ja noch nicht gehört! Das ist sicher son Ostwestfalen-Ding. Ihr seid schon komisch….”
Ja, danke dafür, aber ein wenig Recht haben sie ja ;-). Fällt es einem selbst nicht so sonderlich auf, scheinen bestimmte Begriffe einfach völlig ungewohnt und skurril zu klingen. So trug es sich letztens in einem Chat zu, dass ich erwähnte, dass “Frauen eben manchmal schnücksch seien”. Ja ganz genau: schnücksch. Wer sich jetzt wundert, ist ganz sicher kein echter Ostewestfale :-). Nun kam es denn, dass ich einfach mal nach dem Wort gegoogelt habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man das Wort nicht allgemein in Deutschland kennt. Aber Tatsache: ein typisches OWL-Ding dieses schnücksch. Über die Suche bin ich dann zu einem kleinen lustigen Buch gekommen: “Kleines (ost) westfälisches Wörterbuch – Schnücksch zusammengefriemelt” vom Paderborner Achim Elfers.
Und ich muss sagen: Nach 29 Jahren OWL fühle ich mich gerade soooo sehr Hochdeutsch. DAS, was da drinsteht, verwundert selbst mich und ich glaube ich lerne eine neue Fremdsprache und ein Stückchen mehr von meiner Heimat kennen.
Besonders schön finde ich die Einleitung in der z.B. steht – hey ihr Niedersachen da draußen, aufgepasst! – : “Historisch gesehen sind die West- und Ost-Falen dem ursprünglichen Siedlungsgrunde abtrünnige (Nieder-)Sachsen, die in den Süden auswanderten, als sie Mallorca, die Provence und die Toskana noch nicht kannten.” Ja ja da guckt ihr was ?
Das Ostwestfälisch hat seinen Ursprung aus dem Plattdütschen, ist also (alt)sächsischen Ursprungs. Daher sind einige Begriffe auch im Norden bekannt, werden aber anders ausgesprochen und auch vom Kontext her oft anders verwendet. Und damit ihr die Wörter, die ich hier als kleine Kostprobe aufliste, auch richtig aussprecht, nun ein kleiner Abstecher zu eben dieser Aussprache:

  • Vokale müssen oftmals gedehnt werden.
  • Ein “ä” bitte wie ein “e” sprechen. Ist eben voll ostwestfeelisch, ne?
  • Ein Wort auf -er am Ende bitte “imma” mit “a” ausprechen.
  • Ein -g am Ende oder vor anderen Konsonanten imma als “ch” aussprechen wie z.B. “gekricht”, “gesacht” oder “vafolcht”.
  • Ein -ng am Ende wird oft wie ein “nk” ausgesprochen. Ihr wisst also langsam, wo´s lank geht.
  • Ein -s am Anfang wird oft wie ein scharfes S ausgesprochen. Ja, dat ssind sse, die Ostwestfalen, die!
  • Ein doppeltes -ss in der Mitte eines Wortes wird aber oft sanft besprochen. “Fisseln” klingt also wie “fiseln”.
  • Ein -r nach Vokalen, und das ist denke ich das Bekannteste am Ostwestfälischen, klingt eher wie ein “a”. So sind sie Paderborner eben lieber Padaboana.
  • Ein-t am Ende wird oft einfach wech gelassen, denn ein “T” am Ende is nich ;-).

Nachdem ihr also nun die Aussprache kennt, hier ein paar Kostproben aus dem kleine Ostewestfalen-Lexikon. Enjoy it mein kleines Wöatavazaichnis aus dem supa dupa Buch vom Padaboana Achim Elfers:

  • angeschickert: Ist man, nachdem die ersten verkasematuckelten Pinneken oder Pülleken ihre Wirkung entfalten. Genau: leicht betrunken eben.
  • baseln: trottelich fummeln oder fentern
  • behumst: Ist jemand, der durchaus nicht im Verdacht steht, jemals einen Nobelpreis zu erhalten.
  • bei: Wird oft als Ersatz für “zu” verwendet: “Das musste dabei sagen!” oder “Komm doch bei mia voabei.”
  • beömmeln: sich totlachen oder wie das Buch so schön erklärt: Das tun sich die Leute dann, wenn jemand son dummet Tüch labert, das sich die Balken vor Lachen biegen.
  • Bütterken, das: Ganz klein geschnittene Butterbrote.
  • da hinten: Mein eigentlich “Da vorn!”. “Siehste die Karre dahinten?” “Wo?” “Ja, nich hinta mia. Du musst schon nach voane kucken!”
  • fickerich: Ist jemand, der nicht still halten kann….Aha ok :-D….
  • Fissematenten, die: “Visite ma tente” = “Besuche mein Zelt” sagten die Soldaten. Daher der Spruch der Väter zu ihren Töchtern: “Mach keine Visi-ma-tenten.”
  • friggen: Versuchen, die Wahnsinnswallungen um ein Meedchen loszuwerden, indem man es ehelicht. Der freiende Frigger freit also weniger das Meedchen, sondern eher sich aus seinen Zwangsvorstellungen  bezüglich ewiger Liebe. – Äh…… ah ja…. ich bin auch nicht schlauer als vorher :-D.
  • Hömma!: Hör mir zu!
  • Hoppelschuppen: Diskothek
  • Malewe nich!: Mein Lebtag nicht!
  • mickrich: Sind die Chancen auf einen Lottogewinn.
  • Pankauken, der: Reibeplätzchen oder Kartoffelplätzchen
  • schnücksch: wählerisch sein, aber auch ein wenig zickig und eingebildet sein
  • se: sie
  • Spässken, das: Kleiner Spaß. Dat mutt ssien!
  • Tucke, die: Kampfziege… Oder auch manchmal eine Frau ;-).
  • twiers: querköpfig, zwiespältig
  • verhunepipeln: veräppeln

Ich hoffe, ihr versteht uns Ostwestfalen nun ein wenig besser ;-). Und zu guter letzt ein kleines Gedicht:

Öpperken un` Ömmerken
saßen inne Laube.
Schmiss `n sich mit Lebawuast,
Öpperken ins Auge.
Öpperken wurd` frech,
und ich bin wech!

*Winke, Winke* ihr Lieben. Auf bald und gehabt euch wohl. Und immer schön Sport machen und Bio essen :-D.