In Gedenken an einen wunderbaren Menschen – Meine Oma

Wenn Du an mich denkst,
erinnere Dich an die Stunde,
in welcher Du mich am liebsten hattest.
(Rainer Maria Rilke)

Am 24.10.2011 um 10 Uhr 10 ist meine Oma gestorben…Ich wusste vorher schon, dass ich ihr einen Blogbeitrag widmen möchte. Einen Beitrag über einen mir sehr nahestehenden Menschen und einen Beitrag, der mir selbst helfen wird, mit der Trauer umzugehen und meine Oma gehen zu lassen. Gehen zu lassen und die vielen schönen Erinnerungen im Gedächtnis wie einen Schatz in mir zu bewahren und ihn mit anderen Menschen zu teilen, die wissen möchten, was meine Oma für ein wundervoller Mensch war.

Die letzten Tage waren hart. Hart, weil es unerträglich war, einen geliebten Menschen leiden zu sehen. Wenn der letzte Faden, der eine Seele auf Erden hält, nur der schwerkranke Körper ist, der noch nicht loslassen kann….
Wir alle waren das ganze Wochenende bei ihr. Von morgens bis Abends saßen wir neben ihr, haben ihre Hand gehalten, mit ihr geredet und ihr zu verstehen gegeben, dass es ok ist, wenn sie geht….
Am Sonntag vor ihrem Tod bin ich heim nach Hamburg gefahren, um mir eine Wohnung anzusehen. Denn das Leben bleibt nicht stehen….Hätte ich gewusst, dass sie einen Tag später schon stirbt, wäre ich nicht zurück gefahren. Ich hätte sie gerne persönlich begleitet bei ihrem letzten Schritt aus dem Leben. Aber mein Opa war dabei, der wichtigste Mensch in ihrem Leben. 54 Jahre haben die beiden miteinander geteilt. Ich habe sehr viel Respekt vor meinem Opa, denn er hat harte Zeiten durchgemacht und meine Oma bis zu ihrem Tod durch ihre schwere Krankheit begleitet. Das braucht sehr viel Kraft und er hat sie gehabt. Danke Opa, dass du jeden Tag und jede Stunde für meine Oma da warst, bis zum Schluss….

Die Seltsamkeiten, die passieren, wenn ein Mensch von uns geht….Glauben wollte ich es nicht, aber heute haben ich und meine Familie es selbst erfahren dürfen. Meine Oma hat alle informiert, die nicht dabei sein konnten, als sie ging. Wir haben es alle gespürt, irgendwie….Um 10 Uhr 10 habe ich auf die Uhr geschaut und das Bedürfnis gehabt, meinen Opa anzurufen. Da ich bei der Arbeit saß, habe ich es doch nicht getan…Gegen 11 kam dann der Anruf…Meine beiden Cousinen hatten stärkerer Erfahrungen als ich.
Meine Cousine ist Kindergärtnerin und hat einem Kind gesagt, dass es sich ein Buch holen soll, damit sie daraus vorlesen kann. Aus den vielen Büchern bringt das Kind “Trauerarbeit” mit. Das war um 10 Uhr. Ihre Schwester saß zu der Zeit in der Uni und gegen 10 Uhr wurde eine Folie mit dem Thema “Tod eines Familienmitglieds” aufgelegt.
Begleiten konnten wir sie nicht persönlich, aber wir waren alle dabei, jeder auf unterschiedliche Art und Weise. Aber was war meine Oma für ein Mensch? Es ist gar nicht leicht, dass in Worte zu fassen und doch hat die Familie einen Spruch gefunden, der sie im Wesentlichen beschreibt: “Was du im Leben hast gegeben, dafür ist jeder Dank zu klein. Du hast gesorgt für deine Lieben, von früh bis spät, tagaus, tagein. Du warst im Leben so bescheiden, nur Pflicht und Arbeit kanntest du. Mit allem warst du stets zufrieden, nun schlafe sanft in stiller Ruh.”
Eigentlich mag ich Sprüche nicht, die so ordentlich in ein Reimschema passen. Aber der Inhalt passt einfach, besser hätte ich es nicht ausdrücken können und daher ist der Spruch die beste Wahl gewesen. Sie war immer für uns da, Tag und Nacht, mit ihrem ganzen Herzen. Immer in Sorge, immer nur das Beste wollend und dabei völlig uneigennützig. Sie war wie eine zweite Mama für mich, sie war immer für mich da, wenn ich Wärme brauchte. Sie war eine tolle Köchin und von ihr habe ich die Leidenschaft zum Backen. Sie hat die besten Kartoffelklöße und den besten Kartoffelsalat auf der Welt gemacht….Als Kind musste ich ihre selbstgestrickte Wollunterwäsche tragen, die gekratzt hat und die ich gehasst habe. Wenn ich heute darüber nachdenke muss ich lachen: Wer bitte hatte schon selbstgestrickte Wollunterwäsche :-D.
Und so könnte ich unendlich lange weiterschreiben über ihre positiven Seiten und auch ihre Eigenarten. Aber diese ganzen Erinnerungen haben keinen Platz ein einem Blog. Dafür braucht man ein ganzes Herz…

Ich trage ihren Ring, den sie mir von sich schon vor Jahren vererbt hat, derzeit Tag und Nacht….Ein wunderschöner silberner Ring mit fünf roten Korallensteinen. Der Ring ist Geschichte, der Ring ist Erinnerung und Erinnerungen an meine Oma trage ich für immer bei mir. Ein damaliger Freund sagte zur mir: “Doch sie lebt weiter… durch Dich. Durch Deine Erinnerungen und durch Deine Taten. Ihre Aura ist um Dich und sie sieht die Welt durch Deine Augen. Das mag seltsam klingen und doch ist es physikalische Tatsache. Und, wenn Du magst, ist das der einzig wirkliche Beweis für ein Leben nach dem Tod.” Und damit möchte ich abschließen… Abschließen für mich und anfangen, meine Oma in mir zu tragen und ihr die Welt durch meine Augen zu zeigen.