So war mein erster Triathlon

“So many of our dreams at first seem impossible. Then they seem improbable. And then, when we summon the will, they soon become inevitable.”
Christopher Reeve

Eine Woche ist es nun her, dass ich an meinem ersten Triathlon teilgenommen habe. Irgendwie kommt mir das immer noch nicht so ganz wirklich vor, wenn ich jetzt daran zurückdenke. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht und wir hatten zumindest am Samstag Traumwetter. Die Tage vor dem Triathlon waren aufregend, unwirklich, irgendwie traurig bei dem Gedanken daran, dass es die letzte Rookie-Woche sein wird. Die letzte Woche war aber auch geprägt von Vorfreude und dem schönen Gefühl, endlich die Belohnung für das Training zu bekommen, was wir so diszipliniert über drei Monate absolviert hatten.

Ich werde versuchen, meine letzte Rookie-Woche und das Wettkampfwochenende so gut wie möglich in Worte zu fassen. Aber eigentlich muss man es selbst miterlebt haben, um wirklich nachvollziehen zu können, wie toll das Gefühl ist, wenn man seinen ersten Triathlon geschafft hat und wie stolz man auf die anderen aus dem Rookieprogramm ist. Auch wenn Triathlon ein Einzelsport und im Wettkampf jeder auf sich alleine gestellt ist: Das Training in der Rookie-Gruppe war einfach wunderbar und die gegenseitige Unterstützung zum Schluss Weltklasse! Danke noch einmal an alle Rookies und Freunde, die am Samstag an der Strecke standen und uns angefeuert haben. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Montag -Burgertime
Montag war mal wieder Ruhetag. Es gab leckere vegane Burger im happenpappen und als Nachtisch Kuchen. Entspannter Start in die Woche, nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Dienstag – Das letzte Mal Freiwasserschwimmen
Am Dienstag gab es das letzte Mal Freiwasserschwimmen für mich im Neo. Im Fokus stand hierbei, dass ich den Neoreißverschluss ohne Probleme aufbekomme und das hat geklappt. In der Ruhe liegt die Kraft und ein langsames Herunterziehen verhindert das Verhaken im Unterstoff. Nach dem Testschwimmen hatte ich ein besseres Gefühl für den Wettkampf, denn ich war mir immer noch nicht sicher, ob ich mit oder ohne Neo schwimmen sollte. Aber zumindest wusste ich, dass ich ihn alleine öffen können würde.

Mittwoch – Das vorletzte gemeinsame Lauftraining
Am Mittwoch sind wir das letzte mal mit Jenny und Püppchen gelaufen. Lockere 10 Kilometer, zum Ende mit einer kleineren Steigerung auf einen 4:20er Schnitt. Wettkampftempo schnuppern war angesagt, wobei ich das Tempo über die 5 Kilometer dann am Samstag nicht ganz halten konnte.

Donnerstag – Das letzte mal Schwimmtraining vor dem Wettkampf
Das Schwimmtraining war gut, denn ich konnte erstaunlicherweise beim Schwimmen abschalten und den Kopf frei bekommen. Zudem habe ich mich noch einmal im Vergleich zur Vorwoche ein wenig verbessert. Jedoch habe ich auch gemerkt, dass ich noch lange nicht soweit bin, um die 500 Meter Durchkraulen zu können. Was in der ASH schon besser klappen mag, ist im Freiwasser noch einmal viel schwieriger.

vorbereitung
Ready for Triathlon

Abends traf ich dann die ersten Vorbereitungen: Rad putzen und Technikcheck (Mäntel, Bremsen, Schaltung kontrollieren sowie Kette noch einmal reinigen und ölen), Sachen zusammenpacken und aufgeregt sein. Schlaf bekam ich nicht so wirklich viel, denn dafür gingen mir einfach zu viele Gedanken durch den Kopf.

Freitag – Das letzte Lauftraining und Pasta-Party

Freitag hatte ich dann frei. Zwar konnte ich nicht richtig ausschlafen, aber es tat schon gut, den Morgen für mich alleine zu haben. Ich konnte in Ruhe Frühstücken und Kaffee trinken, um mich dann am frühen Nachmittag auf den Weg zu Multipower zu machen und Jan Frodeno zu treffen. Wer den Frodo nicht kennt: er ist der aktuell amtierende Ironman Europameister. Der Typ ist nett und sympathisch, echt groß und mega drahtig. Neben ihm kam ich mir ganz schön klein vor. Er hat uns dann noch viel Erfolg und Spaß für unseren ersten Wettkampf gewünscht und uns einen Handschlag gegeben. DA konnte ja jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen :-). Danke an Manu, die mich mitgenommen hat und ich so einen echten Profi kennenlernen durfte.

Nach dem Treffen mit Jan Frodeno sind wir dann noch einen Teil der Radstrecke abgefahren. Da es aber wirklich sehr warm war, haben wir uns nur die Hälfte der Strecke angesehen. Anschließend ging zurück in die Innenstadt, um uns mit wasserfeste Schminke einzudecken. Ein wenig Mädchenkrams muss eben sein und wenn man schon nicht schnell ist, dann kann man wenigstens gut aussehen ;-). Und knalliger Lippenstift ist ohnehin auch ohne Wettkampf immer eine gute Investition.

letzteansage
Letzte Ansage von Headcoach Ingo

Um 19 Uhr haben wir uns dann alle noch einmal am Triabolos Messestand getroffen. Wir sind die Wechselzone abgegangen und haben die letzten Fragen beantwortet bekommen. Dann noch schnell ein Erinnerungsgruppenfoto gemacht und auf der Triabolos Pasta Party Carbo Loading betrieben.

Als ich endlich zuhause war, habe ich noch ziemlich lange Sachen gepackt. Um 1:30 lag ich dann endlich im Bett und das Einschlafen fiel mir schwer. Nur noch wenige Stunden und ich würde meine erste Wechselzone einrichten. In der Nacht gab es dann noch ein schweres Gewitter mit starken Regengüssen, die bis zu den frühen Morgenstunden anhielten.

Samstag – WETTKAMPF-TAG
Mein Tag startete um 6:30,da ich noch entspannt frühstücken wollte. Um kurz vor acht ging es dann Richtung S-Bahn zum Jungfernstieg. Der Regen hatte Gott sei Dank aufgehört und die Sonne kam schon wieder durch.

In der Wechselzone angekommen erwartete uns Headcoach Ingo. Er gab uns Tipps und beantwortet alle Fragen, die während des Einrichtens aufkamen. Es war ganz schön eng dort, aber wir hatten gut erkennbar Plätze an der Ampel und den Dixie-Toiletten. Ich hatte somit keine Sorge mehr, mein Rad nicht wieder zu finden.

Nach dem Einrichten ging es dann langsam zum Triabolos-Zelt, wo uns schon die Rookies, welche am nächsten Tag die Olympische Distanz absolvieren würden, auf uns warteten. Langsam stieg nun auch bei mir wieder die Nervosität und ob ich einen Neo tragen wollte oder nicht: die Antwort hatte ich immer noch nicht für mich gefunden. Kurz vor knapp habe ich mich dann doch für den Neo entscheiden, auch wenn das Wasser mit 21,8 Grad warm genug gewesen wäre, um ohne zu schwimmen.

Disziplin 1 – Schwimmen: Gemeinsam ging es in die Aufwärmzone zum Schwimmstart. Nach einem kleinen Aufwärmprogramm fiel im 10:04 für uns der Startschuss. Die ersten hundert Meter konnte ich noch Kraulen, aber dann bin ich doch wieder ins Brustschwimmen verfallen. Nach 250 Metern war mir dann viel zu warm im Neo und ich fand dieses einengende Gummiding eher hinderlich. Aber da musste ich nun durch. Im Nachhinein betrachtet war es auch ganz ok so, wenn man es unter Übungsaspekten und nicht unter Zeitverlustaspekten (ja, der Neo hat mich zu viel Zeit beim Brustschwimmen und in der Wechselzone gekostet) sieht.

Nach 14:04 Minuten kam ich dann aus dem Wasser. Nicht besonders schnell, aber ich wollte mich nicht kaputtschwimmen. Ich ging relativ erholt an Land, was sehr angenehm war. Das Schwimmen in der dreckigen Alster hatte ich mir vorher im Kopf auch viel schlimmer ausgemalt als es dann schlussendlich war. Das habe ich alles ausblenden können und auch den Tunnel zum Rathaus fand ich in Ordnung.

Wechsel 1 – 06:16 Minuten: Auf dem Weg zum ersten Wechsel hatte ich genug Zeit, meinen Neo bis auf die Hüften runter zu ziehen. In der Wechselzone selbst habe ich dann zu viel Zeit gebraucht. Ich war plötzlich sehr nervös und hibbelig, bin links nicht aus dem Neo gekommen, da ich ihn nicht über den Transponder bekommen habe. Dann hatte ich beim Einrichten der Wechselzone meine Radschuhe vergessen zu öffnen und war zu hibbelig, um sie beim ersten Mal aufzubekommen. Helm auf und los ging es, als ich plötzlich merkte, dass ich mein Startnummernband vergessen hatte umzulegen. Also wieder stehen bleiben und das Nummernband umlegen *grummel*. Da wir sehr weit vorne im Block I waren, musste ich dann einen recht langen Weg von ca. 800 Metern auf Rennradschuhen zurücklegen, bis ich auf das Rad aufsteigen konnte. Schnell geht wirklich anders….

Disziplin 2 – Radfahren: Endlich auf dem Rad war ich ein wenig schockiert, wie viel Gegenwind wir hatten. Das hat mich komplett ausgebremst und die ersten paar Kilometer war ich wirklich nicht so schnell wie gewünscht unterwegs. Der Rückweg lief dann besser, aber die verlorene Zeit von ca. 2 Minuten konnte ich nicht wieder rein holen. Das Radfahren hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Es gab auch kaum problematische Situationen bis auf eine: Ich fahre in recht schnellem Tempo den Berg herunter, da winkt vor mir der Streckenposten Fußgänger über die Straße. DAS war viel zu knapp und ich musste schön in die Bremsen steigen. Schade um die Geschwindigkeit, das hat mich wirklich ein wenig verärgert. Eindeutig der Fehler vom Streckenposten, aber auch mit so was muss man leider rechnen. In Summe habe ich 43:45 auf dem Rad gebraucht. Ich hätte vorher gedacht, dass ich nur um die 41 brauchen werde. Da habe ich mich selbst wohl überschätzt. Aber immerhin hatte ich keinen Platten, was vorher meine größte Sorge war.

Wechsel 2 – 3:35 Minuten: Der zweite Wechsel lief dann schon wesentlich besser. Zwar habe ich fast einen Wadenkrampf bekommen, als ich die 800 Meter wieder mit den Radschuhen laufen musste, aber da ich diesmal aus keinem Neo musste und die Startnummer schon um hatte, verlief der Wechsel trotzdem viel schneller als der erste. Schnell noch ein wenig Gel zu mir genommen und los ging es voller Freude auf die Laufstrecke.

finisherDisziplin 3 – Laufen: Yeah! Meine Lieblingsdisziplin! Das Laufen konnte ich dann so richtig genießen. Ich bin mein Tempo durchgelaufen ohne mich komplett zu verausgaben. Ich wollte lieber ohne Umkippen ins Ziel kommen und da ich noch nicht wirklich einschätzen konnte, wie viel ich geben konnte, habe ich mich ein wenig zurückgenommen. Bei Sonnenschein und angenehmen 24 Grad ging es an der Binnen- und Außenalster entlang. Es war schön, bekannte Gesichter am Streckenrand zu erkennen, die einen anfeuerten. Das tat gut und hat unheimlich viel Motivation gegeben. Und dann war ich auch plötzlich schon wieder in der Nähe des Rathauses zum Zieleinlauf. Dort habe ich dann auch das erste Mal meinen Freund entdeckt, den ich zuvor die ganze Zeit nicht gesehen hatte. Nach 22:41 Minuten war ich dann im Ziel angekommen. Dort warteten schon eine handvoll anderer Rookies mit Headcoach Ingo. Tolles Gefühl!!!!! Der erste Triathlon meines Lebens war geschafft und es hat unheimlich viel Spaß gemacht!

Am Ende Stand eine Gesamtzeit von 1:30:23 auf der Anzeige, was mir den Gesamtplatz 163 bei den Frauen und Platz 33 in meiner AK einbrachte. Mein Zweitziel eine Zeit von um die 1:30 zu haben, habe ich also voll getroffen. Das Erstziel war natürlich ankommen und jede Menge Spaß haben! Mission complete! Meinen Zieleinlauf könnt ihr übrigens hier sehen:  Zieleinlauf ITU World Triathlon

Einige Bilder habe ich natürlich auch. Danke an alle, die Fotos gemacht haben. Das ist eine tolle Erinnerung.

Sonntag – Der Tag danach: Zuschauen und genießen
Am Sonntag ging es morgens zurück an die Strecke, um die Rookies anzufeuern, die die Olympische Distanz in Angriff nahmen. Ich muss sagen, ich war nervöser als bei meinem eigenen Start. Die Vorstellung, dass sie gleich 1,5 km Schwimmen würden… krass…. für mich selbst aktuell wirklich nicht vorstellbar. Das Wetter war leider alles andere als schön und ich war recht schnell durchgefroren, obwohl ich nicht unbedingt zu luftig angezogen war.  Wir haben uns dann gut an der Strecke verteilt und alle lauthals angefeuert. Das hat sehr viel Spaß gemacht und wir wussten ja vom Vortag, wie wichtig und motivierend dieser Support ist. Am Spätnachmittag ging es dann heim mit dem Bewusstsein, dass es nun wirklich mit dem Rookieprogramm vorbei war. Abends saß ich dann auf der Couch und wusste im ersten Moment nichts mit mir anzufangen. Wie sollte ich die nächsten Wochen verbringen? 80% meiner Freizeit hatte sich um das Rookie-Programm gedreht und von 100 auf 0 war das nun vorbei. Das alles würde mir fehlen…. Die Freude vermischte sich mit Wehmut. Wo ist die Schokolade, wenn man sie braucht?!

sonntag_od
Die Olympioniken abfeiern und mit Kaffee versorgen 🙂

Die Woche danach – Runterkommen
In der Woche danach hieß es nun runterkommen und neue Pläne schmieden. Ich ging weiterhin zum Schwimmtraining, habe das Lauftraining am Dienstag vom Verein ausprobiert und bin wieder zu meinem Functional Training gegangen. Nach meinem Urlaub werde ich mir überlegen, wie ich meine Sportprogramm aufbauen werde, um weiterhin fit für den Triathlon zu bleiben. Denn ich möchte ja 2016 immer noch die Olympische Distanz wagen und mich an die 1,5 Kilometer Schwimmen rantrauen. Daher heißt es nun dranbleiben, vor allem beim Schwimmen, und auch über die Wintersaison fit bleiben. Aber da ich recht diszipliniert bin, sollte ich das schaffen.

Zum Schluss muss ich mich einfach noch einmal bedanken: Danke an alle, die mich während der Vorbereitung und am Wettkampftag unterstützt haben. Danke an meinen Freund, der immer ein Ohr für mich hatte und meine ganzen Hochs und Tiefs mit Gelassenheit hingenommen und mir immer Mut zugesprochen hat. Danke auch an Maxi und Nico, die mir als alte Triathlonhasen mit Rat und Tat zur Seite standen. Ihr habt mir wirklich einen großen Batzen Unsicherheit genommen. Danke an Triabolos und unsere Trainer. Ohne euch wäre das alles nur halb so schön gewesen. Danke auch an den tollen Support auf der Strecke! Das hat mir und allen anderen Rookies ein sehr gutes Gefühl gegeben. Triathlon rockt!

Und ganz zum Schluss noch unser Rookielied 2015 – “Ein Moment kann alles verändern. Ich bin weg für ne Sekunde Sommer.” Und damit verabschiede ich mich erst einmal in den Urlaub. Wir hören uns wieder in zwei Wochen. Dann mit einem Urlaubsbericht über Island.

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

5 Gedanken zu „So war mein erster Triathlon“

  1. Ich hab gerade mit großem Interesse deine Beiträge zum Rookie Training gelesen. Da scheinst du ja wirklich viel Spaß gehabt zu haben. Bieten die Triabolos dies Training öfters in Hamburg an?
    Ich laufe sonst recht viel / fahre Rennrad – einzig ein sinnvolles Schwimmtraining fehlt mir noch, um beim Triathlon besser zu werden. Natürlich darf auch das Koppeltraining nicht fehlen – beim ersten Triathlon jetzt am Wochenende in Bad Zwischenahn (750/27/5,4) war das Laufen dann schon echt ne Herausforderung (auch wenn es am Ende zu 01:38:20h reichte).
    Viel Erfolg weiterhin und ich drücke dir die Daumen für die olympische Distanz 2016.

    1. Hallo Steffen,

      das Rookie-Training gibt es nur einmal pro Jahr. Die Plätze sind auf ca. 40 Teilnehmer begrenzt. Um teilnehmen zu können, darf man max. einen Triathlon gefinished haben. Und ja das Programm war super und es hat mir sehr viel Spaß gemacht :-). Wenn man im Triabolos-Verein ist, gibt es auch genug Trainings außerhalb des Rookie-Programms. Schwimmtrainings hast du dort sehr viele Optionen. Hier der Link zum Kalender: http://www.triabolos.de/index.php?option=com_events&Itemid=6

      Koppel- und Wechseltraining kann man auch gut alleine machen. 2016 will ich auf jeden Fall schon auf dem Rad aus den Schuhen kommen ;-). Ob es 2016 OD wird werde ich sehen. Dafür fehlt mir noch sehr viel Schwimmsicherheit.

      VG
      Janka

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