Stern des Nordens bleibt werbefrei

“Da der Kunde nicht direkt in Verbindung mit dem Blog gebracht werden möchte, handelt es sich hier nicht um Anzeigen” (Quelle: elbmelancholie.de)

In letzter Zeit bekomme ich recht viele Anfragen von PR-Agenturen, die mich bitten, für ihre Kunden zu schreiben. Meistens unbezahlt, meistens soll ich es nicht als Werbung kennzeichnen und einen netten Artikel drum herum bauen. Manchmal wird mir auch angeboten, dass ich einen vorgeschriebenen Artikel verwenden soll, wenn mir das Selbstschreiben zu aufwändig ist. Wäre das nicht schon genug, landen Themen bei mir, die überhaupt nicht zu meinem Blog passen. Die letzte Anfrage kam über eine Agentur einer sehr bekannten Singlebörse, dass ich ihre Umfrageergebnisse über “Singles in Hamburg” bekannt machen solle und dabei mein eigenes Leben mit einfließen lasse könne, um die Ergebnisse zu präsentieren. Ne is klar! Parallel wurde auch die Redaktion der elbmelancholie angeschrieben, in der ich auch bin. Und was bekamen sie? Natürlich: haargenau die gleiche Anfrage. Aber auf meinen angemerkten Kritikpunkt der Massenansprache kam nur: Nein, keine Massenansprache Hamburger Blogger. Man habe sich mit jedem von uns individuell beschäftigt….

Oh mein Gott! WAS bitte denkt ihr PR-Leute euch eigentlich?! Das Blogger eine kostenlose PR- und SEO-Maschine für euch sind? Es ist ja ok, Blogger anzufragen, aber doch nicht auf so eine plumpe Art und Weise. Vor allem, wenn mich große Agenturen für noch größere Kunden anschreiben, dann stelle ich mittlerweile schon per se auf Durchzug. Denn diese Kunden haben Geld und wollen Werbung für lau. Mit Bloggern kann man es ja versuchen. Die machen das ja alles zum Spaß und machen daher sicherlich auch gerne Native Advertising einfach mal zum Spaß.

Die Seite der Agentur ist jedoch nur die eine Seite Medaille. Es gibt auch die Blogs auf der anderen Seite, die das Spiel mitspielen. Und damit verurteile ich nicht die Blogs, die Geld verdienen müssen und Advertorials ordentlich und klar erkennbar für den Leser kennzeichnen. Sondern damit meine ich die Blogs, die es nicht kennzeichnen und dem Leser somit eine wichtige Bewertungsgrundlage nehmen. Eine sehr beliebte und vergnügliche Hamburg Seite fällt mir hier als Beispiel ein. Das meiste von den Artikeln ist komplett ungekennzeichnete oder uneindeutig gekennzeichnete Werbung. Ich erkenne die Werbeanfragen in den meisten Fällen wieder, denn sie sind ja auch bei mir gelandet. Werbeartikel sollten jedoch als diese eindeutig gekennzeichnet werden, darauf hat der Leser ein Recht.

Was mich angeht: Ich schreibe weiterhin gerne über Start Ups in Hamburg, coole Veranstaltungen und Lokalitäten. Aber das mache ich nur, wenn ich es möchte und selbst dahinterstehe. Mein privater Blog soll privat bleiben und daher schreibe ich hier auch keine Werbung auf Agentur-Anfrage – weder bezahlt, noch unbezahlt. Und da hilft es auch nicht, mit mir zu diskutieren und mir zu erklären, warum denn das besagte Thema so toll zu meinem Blog passt und wie super das meine interessierten Leser sicherlich finden würden.

Zum Schluss zitiere ich gerne Andreas, der wie ich finde, sehr treffende Worte auf elbmelancholie.de zu diesem Thema gefunden hat: “Im gemeinsamen Interesse bitten wir daher darum: Geht diesen Werbern und geht diesen Seiten nicht auf dem Leim. Liked nicht alles, nur weil man euch etwas umsonst verspricht. Kommentiert kritisch, wenn etwas nach ungekennzeichneter Werbung aussieht. Fragt kritisch nach, ob ein Beitrag auch ohne die dazugehörige Verlosung erschienen wäre. Beobachtet genau, wo recherchiert wird und wo nur Platz für Werbung geschaffen wird. Es heißt immer, mittel- und langfristig honorieren Leser Qualität. Darauf setzen wir. Wenn ihr kritisch bleibt und besser sogar noch kritischer werdet, werden Praktiken wie die oben beschriebenen hoffentlich für solche Werbetreibenden und solche Seiten zum Bumerang. Profitieren würden letztlich alle: Die ehrlichen Werbekunden, die Leser und der Journalismus.”

Den ganzen Artikel findet ihr hier: In eigener Sache: Wie man euch Elbmelancholie vermiesen will.

Ich gehe nun Rennradfahren und hoffentlich diesmal ohne Sturz :-D. Ein schönes WE auch allen! Auch allen PR-Agenturen, die ihre Bloggeransprachen einfach mal überdenken sollten.

 

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

2 Gedanken zu „Stern des Nordens bleibt werbefrei“

  1. Danke für den tollen und ehrlichen Beitrag! Es geht aber nicht nur um Transparenz gegenüber seinen Lesern und damit um die Glaubwürdigkeit als Blogger. Auch rechtlich ist das nicht ohne, wenn man gekaufte Meinungen/Beiträge etc. nicht kennzeichnet. Das Wettbewerbsrecht ist da eindeutig.
    Mehr dazu gab es auch auf der re:publica von u.a. Thomas Schwenke. Meine Zusammenfassung dazu: http://keepmeposted.de/2015/05/republica-15-premiere-law-lab-recht-ordnung-im-netz-1/
    Thomas hat das jetzt auch noch mal als Podcast online gestellt, was er auf der re:publica vorgetragen hat, wer lieber was auf die Ohren haben will. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.