Swim, eat, sleep, repeat – Mein erstes Schwimmtrainingslager in Lindow

“Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.”
Gotthold Ephraim Lessing

Vor ein paar Wochen saß ich aufgeregt vor dem Rechner und ließ sogar das Athletiktraining ausfallen, um einen der heiß begehrten Plätze im Technik-Schwimmtrainingslager in Lindow zu ergattern. Reload, server error, reload, server error, server error, server error, server error, Stunden später reload und plötzlich konnte ich mich eintragen *jubel*. Mit Näherrücken des 20. Novembers kamen aber dann doch immer mehr Zweifel auf: “Kann ich da überhaupt mithalten? Ich bin seit Wochen nicht geschwommen, habe Ende Juni die ersten 50 Meter meines Lebens gekrault und nun soll ich in drei Tagen acht Stunden Schwimmtraining durchhalten?!”

Letztes Wochenende war es dann endlich soweit. Mit gemischten Gefühlen stieg ich ins Auto. Zwar wusste ich, dass mich nur der Wurf ins “kalte Wasser” und ein intensives Training weiterbringen würden, aber das flaue Gefühl blieb trotzdem. Rückblickend sage ich: Hart war´s, schwer war´s, aber gut und hilfreich war´s. Was besseres hätte ich nicht machen können, als an diesem Technik-Trainingslager teilzunehmen. Ich bin zwar noch weit davon entfernt eine gute Schwimmerin zu sein, aber endlich habe ich das Gefühl, dass der Grundstein gelegt wurde, um irgendwann auch einmal über 500 Meter Kraulen zu können. Und hätte mir jemand vor Lindow gesagt, dass ich in der Zeit dort neun Kilometer schwimmen werde, hätte ich ihn ausgelacht. Aber wir Rookies haben das Wasser gerockt und sind auch ein wenig stolz darauf :-).

Tag 1 – Schwimmen zum Eingewöhnen
Am Freitag Abend gegen 17:30 trudelten langsam alle Teilnehmer im Sport- und Bildungszentrum Lindow ein. Die “alten” Hasen zeigten uns Neulingen direkt die drei wichtigsten Wege der kommenden drei Tage:

  • zum Zimmer
  • zum Essen
  • zur Schwimmhalle.

Um 19 Uhr standen wir dann alle zusammen in der Schwimmhalle, einige mehr, andere weniger aufgeregt. Gefreut habe ich mich besonders darüber, dass Stephi unsere Trainerin auf der nicht ganz so schnellen Bahn sein würde. Sie kannte noch mein Leiden aus dem Rookietraining: Überforderung, Gejammer, Wut, Freude – alles war dabei, als ich im Sommer diesen Jahres im Rookieprogramm versucht habe, beim Kraulen nicht unterzugehen.
Ich muss zugeben: die ersten zwei Stunden waren anstrengend, aber liefen nicht so schlecht wie ich dachte. Ich hatte dank Stephi sogar Spaß und das will bei mir schon was heißen :-).

Nach dem Training trafen wir uns dann alle noch auf einen kleiner Absacker vor dem Zimmer 421. Wir Neulinge hörten während des Erdinger-Alkohlfrei-Trinkens dann immer wieder das Wort “Lindowtaufe”, dachten aber dann, es habe sich mit dem Trinken eines Feuerstein-Schnapses erledigt. Weit gefehlt, aber zur Taufe des Grauens, die uns am dritten Tag erwartete, dann später mehr.

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Lustiges Flurtreffen

Tag 2 – Vier Stunden Schwimmen
“Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?” klang es aus meinem Handywecker um 7 Uhr 20. Wie schon aufstehen? Ach neee es ist doch Samstag! Aber was hilft es… raus aus den Federn, rein in die Sportklamotten, runter zum Frühstück, zurück aus Zimmer, Schwimmsachen schnappen und wieder runter zum Becken zur ersten Einheit des Tages. Trotz müder Arme und Beine merkte ich schon einen Fortschritt zu Freitag. Dank Stephis Trockenübungen zur Zugphase und Körperstreckung stellte sich auch bei mir zeitweilig ein Gefühl des Gleitens im Wasser ein.

Nach dem Mittag hatten wir dann ein wenig Zeit für uns. Gingen einige Laufen oder zum Athletiktraining, habe ich mit meiner Zimmergenossin gechillt. Anschließend haben wir noch Energie beim Spaziergang um den Wutzsee getankt, denn schließlich mussten wir um 17 Uhr erneut fit am Beckenrand stehen, bei der sich dann aber auch langsam die müden Arme und der Brustmuskel bemerkbar machten.. aua….

Nach dem Abendessen ging es dann noch in die Sportlerbar. Ein wenig quatschen, sich einen Gin Tonic…äh natürlich Wasser genehmigen und mit anderen Teilnehmern austauschen, mit denen man vorher nicht so viel Kontakt hatte. Ein großer Teil von uns ging noch auf die Bowlingbahn nebenan, aber da meine Arme mir das nicht gedankt hätten, beschränkte ich mich auf das Getränkehalten an der Bar.

Tag 3 – Last but not least
“Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?”…… Ja, es war schon so spät, nämlich 7 Uhr 30 und daher Zeit für´s Frühstück. Rein in die Sportsachen, runter zum Frühstück, wieder rauf auf´s Zimmer und Sachen packen. Dann wieder runter, aber nicht zum Schwimmen, sondern zunächst zum Stretching mit Rüdiger. DAS tat wirklich gut und war herrlich entspannend. Um 11 Uhr standen wir dann das letzte Mal am Becken und alle guckten uns Lindow-Neulinge schon mitleidig an. Die sagenumwobene Lindowtaufe stand uns also nun doch noch bevor. Schnell setzten einige Neulinge ihre Badekappen auf, um vor unverhofften “Attacken” ein wenig geschützt zu sein. Aber auch diese Vorsorgemaßnahme hat nichts geholfen. Ich kann nur sagen: die gruseligste, unglaublichste und stinkigste Taufe, die ich je erlebt habe! Mehr darf ich aber leider nicht verraten, denn es wird sicherlich auch beim nächsten Mal wieder Lindow-Neulinge geben. Wer also wissen mag, was die Taufe ist, sollte also einfach selbst mal mitkommen und es am eigenen Leib erfahren ;-).

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Vorbereitung zur Taufe

Anschließend ging es das letzte Mal ins Lindower Becken. Fahne schwimmen, Arme und Beine voneinander getrennt bewegen, Vorwärtsrollen im Wasser und am Beckenrand die Rollwende üben. Das waren alles einfache Übungen….ähhh nein. Ich frage mich immer noch, wie das mit dem Fahneschwimmen funktionieren soll ohne Schwimmnudel um den Bauch. Vielleicht lüftet sich dieses Geheimnis für mich im nächsten Trainingscamp. Zum Abschluss haben wir dann noch zwei Bahnen Partnerübungen gemacht: mit den kleinen Fingern eingehakt zusammen Kraulen und Abklatschen. Das hat wirklich Spaß gemacht und war ein schöner Abschluss, bevor es dann zum gemeinsamen Mittagessen und anschließend auf die Heimreise zur wohlverdienten Couch ging.

Die drei Tage Schwimmtrainingslager bleiben mir in sehr positiver Erinnerung. Danke an die Trainer, für das wertvolle und hilfreiche Feedback und natürlich danke an Petra für die Orga. Ich freue mich schon auf ein erneutes swim, eat, sleep, repeat im Januar 2016.

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

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