Inkinfected

“Und ich liebe dem Leben entgegen.
Vermisse nichts mehr sind die Sterne mir nah.
Als das was ich bin werden sie mir gewahr.”
(Pohlmann “Unterwegs”)

Ja ich geb´s ja zu: ich bin inkinfected, aber lieber das, als permanent verschnupft sein oder rauchen ;-). Nun werde ich recht oft gefragt, wie viele Tattoos ich mittlerweile habe, ob noch welche dazukommen, was die Tätowierungen bedeuten, warum ich mich überhaupt tätowieren lasse und ob ich nicht Sorge habe, dass mir die Tattoos in zehn Jahren nicht mehr gefallen. Da ich zwar zu fast jedem Tattoo in diesem Blog schon kurz was geschrieben habe, aber nie in einem Artikel zusammengefasst, dachte ich mir, es sei mal an der Zeit, dies zu machen. Außerdem ist in “Erinnerung” schwelgen auch mal ganz schön für einen selbst :-)….

Zunächst einmal zu Tätowierungen grundsätzlich: Für mich sind Tattoos Kunst auf der Haut. Diese Kunst definiert jeder für sich selbst. Für manche sind es Rosen oder Tribals, für andere Schriftzüge, Tiere oder Comic-Helden. Wie auch beim Essen: jeder so wie er mag und womit man sich wohlfühlt. Ich habe mittlerweile acht Tattoos in Summe und die nächsten drei sind schon in Planung.

Angefangen habe ich damals mit 19, als ich mir ein “Arschgeweih” auf den Steiß habe tätowieren lassen. Zugegeben das einzige Tattoo, was ich nach zehn Jahren nicht mehr sehen konnte und überstechen habe lassen. Das komische Tribal wurde Ende 2012 in mehreren Sitzungen  durch Bernd Muss (Tattoo Freestyle) ersetzt durch Raben, Fische, Efeuranken, Blumen und dem wunderbaren Zitat aus dem Neil Gaiman Buch “The Graveyard Book”: “Face your life, it´s pain, it´s pleasure. Leave no path untaken.” Warum ausgerechnet dieses Zitat? Ganz einfach: ich fand das Buch toll und das Zitat sagt die Mutter zum Abschied zu ihrem Sohn, als er den Friedhof verlässt. Ich finde diesen Rat einfach sehr passend für den Lebensweg, der in Summe vor einem liegt. Wer mehr lesen mag, einfach hier klicken.

Das zweite Tattoo habe ich dann knapp 7 Jahre später von Andreas (Sinner and the Saint Tattoo) stechen lassen. Ein Schriftzug Innenseite linker Oberarm, die Seite des Herzens. Das Zitat stammt von Joseph Joubert: “La raison peut nous avertir de ce qu’il faut éviter, le cœur seul nous dit ce qu’il faut faire.” Zu deutsch heißt dies: “Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen. Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.” Sicherlich klingt das wie ein Spruch, den man in ein Poesiealbum schreiben würde, aber ich finde trotzdem, dass es genau das ist, wonach nicht leben möchte. Es fällt mir zwar nicht immer leicht, aber ich gebe mein bestes, das zu tun, was mich glücklich macht und das kommt von Herzen. Denn nur, wenn man selbst glücklich ist, kann man auch andere glücklich machen. Der Spruch begleitet mich zudem sehr lange, denn meine immer noch beste Freundin (und das seit 20 Jahren!) hat mir diesen damals in einer schlechten Lebensphase per Postkarte zugesendet.

Das dritte Tattoo (auch von Bernd Muss) ist für mich persönlich das wichtigste und persönlichste von allen. 2011 ist meine Oma gestorben. Ich stand ihr wirklich sehr nahe und sie war immer wie eine 2. Mutter für mich. Ich habe ihr zu ihrem Tod einen Blogbeitrag gewidmet, den ich auch auf der Beerdigung in Form einer kurzen Rede vorgetragen habe. Das Tattoo besteht aus einem Zitat von Rilke (mein absoluter Lieblingsautor und Dichter), einem Engelsflügel und einem Totenkopf. Meine Oma hat Engel geliebt und darum wollte ich dieses Element verarbeiten. Das Zitat von Rilke “Wenn Du an mich denkst, erinnere Dich an die Stunde, in welcher Du mich am liebsten hattest.” drückt für mich einfach aus, wie man mit dem Tod umgehen sollte. Nicht negativ, sondern immer positiv sich an das erinnernd, was einfach wundervoll an dem Menschen war, den man so geliebt hat. Denn genau das würde derjenige sich auch wünschen. In diesem Tattoo (gestochen März 2012) steckt sehr viel von meinem Herz und Erinnerung an einen wunderbaren Menschen. Für mich daher das schönste Tattoo, was ich habe. Mehr dazu gibt´s hier.

Das vierte Tattoo (entstanden Sommer 2012, Bernd Muss) habe ich am linken Handgelenk. Die Idee kam total spontan als ich mit Freunden unterwegs war. Zugegeben war der Abend feucht fröhlich und na ja wie das dann so ist :-D. Das Motiv ist ein Rabe, ein Totenkopf und drei kleine Sterne (nein, keine Kreuze!). Auch diese drei Elemente haben alle ihre Bedeutung für mich. Die Sterne bin ich, denn Janina 383 ist tatsächlich ein Asteroid. Meine Wahl des Blognamens wäre damit auch geklärt ;-). Die Raben sind tolle Tiere aus der Mythologie. Raben stehen für Wiedergeburt, Wiederbelebung, Erneuerung, Neuerschaffung und für Heilung. Der Totenkopf steht nicht nur für Vergänglichkeit, sondern auch für etwas, was zum Leben dazugehört. Wer noch mehr lesen mag, dann geht´s hier weiter.

Das fünfte Tattoo ist ein ganz kleiner Anker (tätowiert Anfang 2013, Bernd Muss) an der rechten Hand. Ganz einfach: Anker, Heimathafen Hamburg :-). Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Das sechste Tattoo (Mai 2013, Laura Solinski) habe ich unter der linken Seite vorne auf den Rippen. Wieder ein Schriftzug mit “Serendipity is life.” Es bedeutet für mich aber nicht “Glücklicher Zufall”, sondern “[…] eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.” Und genau DAS macht doch oft das Leben aus, findet ihr nicht auch?

Das siebte Tattoo ist dann kurz danach entstanden, auch Mai 2013 und auch von Laura. Es läuft über die komplette Außenseite des rechten Armes. Wieder ein Zitat, umschlungen mit Elementen, die ich schon auf meinem Körper tätowiert habe: Rabe, Totenkopf, Blätter sowie kleine Blumen. Das Zitat stammt von einem französischen Chemiker namens Antoine Laurent de Lavoisier: “Nichts wird geboren, nichts stirbt.” Dahinter steckt ein großes Stück Lebenseinstellung: wie ich das Leben sehe, was ich über das Leben und den Tod denke. Wenn man alles auf die kleinste gemeinsame Form zurückführt, ist alles Energie. Daher stirbt nichts und es wird auch nichts geboren. Alles ist eins.

Das achte Tattoo (August 2013 von Amy Malt) war das spontanste Tattoo, was ich mir bisher habe stechen lassen. Das Motiv nicht selbst gewählt, sondern in einem Flash Set von Amy Malt im Rahmen der Ink&Ride gesehen, verliebt und auch beim Walk in bekommen :-). Neben Hirsche stehe ich eben auch total auf Füchse und dieses Tattoo. Ich verbinde mit dem Tattoo weniger einen Lebensabschnitt oder Lebenseinstellung, als den Moment des “Einfach machen”. Es war spontan und spontane Sachen sind ja bekanntlich oft sehr gut. Ich habe wenig nachgedacht, sondern wollte das Motiv einfach haben. Daher hat es mich besonders gefreut, dass es noch frei war, als ich dann endlich in Hamburg abends ankam.

Das neunte und zehnte Tattoo entstanden im September 2013. Der Schriftzug aus dem Pohlmannsong “Unterwegs”: “In mir entsteht Raum und Zeit und ich spür´ unterwegs zu sein.” ziert seitdem meine beiden Trapezmuskel (Laura Solinski). Es hält einfach perfekt fest, wie ich mich zu der Zeit gefühlt habe und “Unterwegs” ist man ja immer irgendwie. Tattoo zehn wurde mir von Freulein Fuchs gestochen. Ein Nord-Fuchs auf dem rechten Oberschenkel. Geiles Teil wie ich finde (siehe Bilder unten).

Das elfte Tattoo verschönert seit Anfang 2014 meinen linken Oberschenkel, gestochen durch Julian Hets. Es gibt einen Lieblingsabschnitt aus Rilkes “Briefe an einen jungen Dichter” und genau diesen habe ich mir tätowiert: “Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein“. Nicht immer schaffe ich es, danach zu leben, aber ich versuche mich daran immer wieder zu erinnern.

Alle meine bisherigen Tattoos habe ich hier für euch zusammengestellt:

Einen großen Dank an dieser Stelle an alle hier genannten Tattookünstler!

Und wenn ich so in Summe über meine Tattoos nachdenke, die alle unabhängig voneinander entstanden sind, ergeben sie doch wieder ein “Gesamtkonzept”. Man sagt immer die Augen sind der Spiegel zur Seele, aber Tätowierungen können dies auch sein.

Zum Schluss nach meiner kleinen Tattooreise noch der besagte Pohlmannsong “Unterwegs”, weil er so unglaublich schön und wundervoll ist:

Und fertig ist mein Rückentattoo

So Termin vier von vier ist nun vorbei und “fertig” ist mein Cover Up. Warum ich “fertig” in Anführungsstrichen schreibe? Weil ich glaube, dass das Motiv noch Freiraum zur Weiterentwicklung bietet. Derzeit ist es zwar fertig, aber wer weiß, welche Ideen ich noch so bekommen werde. Denn nach dem Tattoo ist bei uns Tattoo Freaks bekanntlich vor dem Tattoo :-D. Und hier ist das gute Stück, mal wieder ein Bernd Muss. Vier von fünf der Kunstwerke sind mittlerweile von ihm und ich kann das Tattoostudio Freestyle nur jedem empfehlen. Danke Bernd für die tollen Tattoos! Ach ja wegen einiger Nachfragen: Vegane Farben gibt´s da auch.

Cover Up by Bernd Muss, Tattoo Freestyle

Wir hören uns dann nach meinem Geburtstag wieder und dann sicherlich mit einem Beitrag über meine Geburtstagsüberraschungsreise :-).

Cover up das Arschgeweih Teil 2

Am Mittwoch war mal wieder Stichtag. Es ging weiter mit “Cover up das Arschgeweih“. Im zweiten Termin wurde nun der untere Bereich fertig gestellt. Dazu musste noch einmal mit schwarz drüber, vor allem im mittleren Bereich kam das alte Tattoo noch zu sehr durch. Danach wurde noch weiße und rote Farbe eingearbeitet und voilá: Fertig ist das “neue” Steißtattoo. Bernd wird aber ggf. noch ein wenig blau einarbeiten. Aber da lass ich mich überraschen, was er im dritten Termin noch für Ideen hat.

Am kommenden Wochenende geht es dann schon direkt weiter. Ich werde auf die Tattoo Convention nach Berlin fahren und mich dort von Bernd fertig (hoffentlich…) tätowieren lassen. Dann werden die Efeuranken und das Zitat von Neil Gaiman eingearbeitet. Die Schrift dafür steht auch schon fest. Sie trägt den klangvollen Namen “Anywhere but home“. Was ich an der Schrift mag ist, dass sie sehr natürlich bzw. organisch wirkt und etwas rankenhaftes hat. Mit Bernds persönlichen Stil kann das nur gut werden :-). Das Cover Up wird recht groß werden. Bis zum unteren Ansatz Schulterblatt wird es dann gehen :-). Ich freu mich drauf!

Ach ja kleines Update nebenbei zum vegan Leben: Alles supi! Keine Probleme, läuft, ich mach weiter! Gestern vegane Plätzchen gebacken und lecker sind die geworden. Ich habe auch Väse, weiße Schakalode und vegane Remoulade für meine Tofu-Burger probiert. Alles lecker! Vegan leben ist bisher zudem viel leichter als ich dachte und verzichten muss ich auf gar nichts. Dass viele Leute sagen, vegan leben ist Selbstkasteiung, kann ich nicht verstehen. Purer Unsinn solche Aussagen! Erster positiver Effekt nach fast einem Monat vegan leben: Die Haut ist besser geworden. Kopfschmerzen kann ich noch nicht beurteilen. Aber in Summe geht es mir sehr gut und zur Zeit habe ich für mich das Gefühl, dass es der richtige Weg für mich ist, dass ich mich vegan ernähre.

So ich werde mich nun weiter unter der Decke einkuscheln und Tee trinken. Winterzeit ist Decken-Murmeltierzeit :-).

Wir hören uns dann nach meinem dritten Stichtag wieder!

Cover up das Arschgeweih

Cover up das Arschgeweih! Ganz genau! Heute hieß es mal wieder Stichtag für mich und mein 12 Jahre altes Steißtattoo. Der erste Teil ist geschafft, der zweite und dritte folgen Ende November und Anfang Dezember.

Aber warum das Cover up? Ganz einfach: Es war bitter nötig! Damals schlecht und viel zu tief gestochen, habe ich nun mit Bernd Muss den Tätowierer gefunden, dem ich zutraute, das alte Tattoo so zu verändern, dass es wieder zu mir passt. Und was soll ich sagen: Den ersten Teil finde ich schon einmal top! Aber auch dieser erste Teil ist noch nicht ganz fertig. Es fehlen noch Details und der Einsatz von dezenter Farbe, danach kommt die Ranke nach oben und zum Schluss das Zitat von Neil Gaiman: “Face your life, its pain, its pleasure, leave no path untaken.”

Hier nun der Vergleich Vorher Nachher:

Vorher

 

 

 

 

 

Nachher

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss noch einmal einen herzlichen Dank an Bernd. Du bist einfach der Beste!

 

Eröffnung Tattoo Freestyle 3 in Hamburg-Rotherbaum

Gestern Abend um 18 Uhr war es soweit: Das dritte Studio von Bernd Muss, Tattoo Freestyle, wurde offiziell mit einer Einweihungsparty eröffnet. Zusammen mit dem quibbler_g ging es dann extra für den Bernd schick gemacht Richtung Schlump. Passend zum Abend kam dann auch die Sonne wieder hervor und so ging es gut gelaunt zur Eröffnungsparty. Dort angekommen den Gastgeber Bernd Muss direkt entdeckt und beglückwünscht. Danach ging es in den Laden und der ist einfach der Hammer! Bernd hat mal wieder den besten Geschmack bewiesen und das Wohlfühlgefühl stellt sich beim Betreten des neuen Tattoostudios direkt ein: alter Holzdielenfußboden, Hirsche an den Wänden, alte Holzmöbel und perfekt auf alt gestrichene Wände. Auch für Speis und Trank war gesorgt. Es gab sehr leckere Odeuvre sowie kleine Muffins und dazu wahlweise Bier, Weiß- oder Rotwein und Prosecco. Lecker wars!

Zusätzlich wurde Silberschmuck von der Goldschmiedin Sylvie Schmoll (Homepage noch im Aufbau unter schmucke-deern.com) präsentiert und eine kleine Fotoausstellung von Wieglas hat auch Einzug in den neuen Laden erhalten. Begeistert von dem tollen Schmuck habe ich beschlossen, mir meinen eigenen Totenkopf-Ring von Sylvie fertigen zu lassen. Auf das kleine Projekt freu ich mich schon! Hier könnt ihr schon einmal eine ihrer Arbeiten bewundern. Ein schicker, geschwärzter Totenkopfring für Männer:

Ring von Sylvie Schmoll

Falls ihr auch Interesse an einem handgefertigten, individuellen Ring habt, kontaktiert Sylvie einfach unter info@schmucke-deern.com oder ruft an bei 0157-3827 6692.

Besonders toll war es, die ganzen Tattoos, die man von den Bildern auf Facebook kannte, endlich auch mal den dazugehörigen Menschen zuordnen und die Tattoos in Original bewundern zu können. Es war wirklich sehr spannend, endlich mal die “Krake” und die “Medusa” kennenzulernen. Zwei tolle Frauen mit tollen Tattoos :-).

Ach ja wer mein Tattoo auf den Rippen noch nicht kennt, kann es sich hier auch ansehen: Facebook Tattoo Freestyle.

Insgesamt war es ein toller Abend mit vielen netten Leuten! Das Essen war super lecker, die Stimmung top und das Wetter hat es ermöglicht, den ganzen Abend draußen an der frischen Luft zu verbringen. Danke noch einmal an Bernd Muss und sein Team für diese gelungene Eröffnungsfeier!

Zum Schluss noch ein paar Bilder vom Laden. Aber am Schönsten ist es natürlich, mal persönlich Beim Schlump 21 vorbeizuschauen ;-).

Tattoo Freestyle 3, Beim Schlump 20144 in Hamburg

Vom 07.08. bis 05.09.2012 findet von Bernd auch eine Ausstellung seiner Kunstwerke statt. Einfach bei Die Herren Simpel am Schulterblatt 75 vorbeischauen. Ich werde auf jeden Fall zur Ausstellung gehen und freu mich schon auf die Eröffnung :-).