Janka und die Berge

20140102-120209.jpg“Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.” (Laozi)

Mein allererster Winterurlaub ist vorbei. Eigentlich eine Reise, um Snowboardfahren zu lernen, im Endeffekt aber mit dem Ergebnis zu wissen, dass ich kein Naturtalent bin, viel zu hohe Ansprüche an mich selbst hatte und ein paar Tage Kurs nicht reichen, um Fahren zu können. Ich habe durch diese Fahrt wieder ein wenig mehr über mich selbst gelernt und wie einem die eigene Verbissenheit und sportlicher Ehrgeiz im Weg stehen und am Lernen hindern kann….

Die meisten Menschen, die Ski-oder Snowboardfahren, haben dies als Kinder oder Jungendliche gelernt, oder sind vorher zumindest Skateboard gefahren oder gesurft. Ich habe bisher nichts dergleichen gemacht. Talentfrei mit 31 das erste Mal auf einem Board zu stehen, 3 Tage dauer zufallen, sich dann das Steißbein beim Tellerlift zu prellen, fühlt sich nicht wirklich geil an und demotiviert ungemein. Eine Leidenschaft für den Alpinsport ist jedenfalls nach der Erfahrung bei mir bisher nicht entbrannt. Was aber nach der völligen Demotivation (die dauerte diesmal bei mir ganze fünf Tage an….) entbrannt ist: Dass ich eben nicht direkt nach dem allerersten Versuch aufgeben mag. Nach dem Urlaub wurde mir von mehreren Seiten gespiegelt, dass drei Tage Kurs einen absoluten Anfänger ohne Naturtalent nicht befähigt, Kurven oder blaue Pisten zu fahren (runterrutschen können mal ausgeschlossen). Aber wie das so mit den Ansprüchen und Vorstellungen an sich selbst ist: ich hätte es gerne anders gehabt, um nach dem ersten Urlaub sagen zu können: Geil, war DAS ein Spaß und ich liebe Snowboardfahren! Warum ich trotz der doch recht negativen Erfahrung für mich nicht aufgeben werde, dazu komme ich später.

Doch nun mal genauer ins Detail: Ich bin mit dem Verein Wild&Style gefahren, eine gute und günstige Alternative für alle, die Wintersport lieben, nicht direkt 1.500 Euro für eine Woche ausgeben wollen und Bock auf eine größere Gruppe Gleichgesinnter haben. Wild&Style ist zudem perfekt für Leute, die fahren können, toll für Leute, die eine gewisse Vorerfahrung haben und nun Snowboardfahren lernen wollen und geeignet für Leute mit Naturtalent zum Alpinsport. Für absolute Anfänger wie mich hat die Reise aber erstmal nur das Bewusstsein erwirkt, dass dieser Sport einen nicht so packt wie gedacht und man Jahre mit regelmäßigem Üben brauchen würde, um halbwegs mithalten zu können. Es gab zwar für Einsteiger einen “Get on Board”-Kurs, aber der war nach drei Tagen schon vorbei und man ist auf sich allein gestellt. Leute, die fahren können, binden sich natürlich keine Anfänger ans Bein und die Teamer waren froh, endlich frei fahren zu können…Somit fühlte ich mich recht alleine gelassen und ganz alleine üben und keinen “Leidensgenossen” haben, war auch irgendwie uncool. Die anderen Get on Boardler konnten schon echt gut fahren nach den drei Tagen, diese hatten aber alle schon eine gewisse Vorerfahrung. Ich war in der Tat die einzige echte Anfängerin dort. Nach den drei Tagen Kurs wird zudem davon ausgegangen, dass man blaue Pisten fahren kann. Ggf. ist das bei den meisten Jüngeren auch der Fall, aber eben nicht bei allen und vor allem nicht bei mir. Mit dieser Vorstellung im Kopf, dass man nach drei Tagen Kurven und Pisten fahren kann, ging ich jedoch an den Kurs heran. Es war sehr frustrierend zu merken, dass auf einen diese Annahme nicht zutrifft… Die Tatsache, dass ich am zweiten Tag direkt in ein Skigebiet mitgenommen wurde, das mega voll und für Anfänger viel zu schwer zu fahren war, hat es leider auch nicht besser gemacht. Das war Stress pur, teilweise musste ich die Piste und die steilen Hänge runterlaufen, weil ich mich nicht getraut habe, die schmale, sehr abschüssige Piste zu fahren bzw. zu rutschen. Ich bin froh, dass ich trotz der vielen Stürze recht heil bei der Gondel angekommen bin. Ich hatte auch den Eindruck, dass das Verständnis bei vielen fehlte, dass es super schwer ist mit über 30 das Fahren noch zu lernen, wenn man vorher keinerlei Berührungspunkte mit so einem Sport hatte. Die meisten Leute dort fahren seit dem Jugendalter. Klar, dass sie sich nicht vorstellen können, wie es ist, jetzt erst anzufangen….. Das kann man keinem zum Vorwurf machen und alle Teamer haben wirklich das Beste gegeben (Danke noch einmal an die Geduld von den Wild&Style Leuten und vorab danke, an die Geduld, die sie mit mir im März noch aufbringen werden müssen!), aber der Eindruck, dass man als absoluter Anfänger nach dem “Get on Board”-Kurs einfach ein wenig außen vor steht, ist trotzdem geblieben… Die letzten drei Tage auf der Reise habe ich dann entspannt und meine “Wunden geleckt”. Dem Board habe ich keines Blickes mehr gewürdigt. Das konnte zwar rein gar nichts dafür, aber ich brauchte ja einen Schuldigen in dieser Situation ;-). Nachdem die Demotivation und der Ärger dann am Sonntag nach der Heimfahrt verflogen war, habe ich mir überlegt, dass ich nicht sofort aufgeben und dem Ganzen noch einmal eine Chance geben werde. Mir ist klar geworden, dass ich einfach üben MUSS und daran kein Weg vorbeiführt. Daher werde ich ab Ende Januar bis Anfang März fast jedes Wochenende in den Snowdome fahren und einen Hochschulsportkurs belegen. Dann geht es Anfang März mit Wild&Style wieder in den Snowboardurlaub – es sei denn, ich merke während des Übens, dass das ganze Vorhaben einfach keinen Sinn macht….

Unabhängig von der Demotivation, dem geprellten Steißbein und der viele Stürze war es natürlich trotzdem sinnvoll und schön, mitgefahren zu sein: Ich habe herausgefunden, dass ich Snowboardfahren nicht einfach mal eben so lernen werde, dass ich aber den Mut aufgebracht habe Sessellift zu fahren, dass Berge im Winter einfach toll sind und ich gerne wieder einen Urlaub im Schnee verbringen mag. Zudem waren die Leute wirklich alle sehr nett, das Silvester eines der schönsten, das ich in den letzten Jahren verbracht habe. Bereut habe ich die Mitfahrt also keineswegs.

Hier auch noch ein paar Bilder für das Bergweh. Schön wars 🙂 ….

Eine gute Nacht wünsche ich euch allen und ich werde über meine weitere “Snowboardkarriere” hier berichten. Drückt mir die Daumen, dass ich ggf. doch noch lerne zu fahren, so dass blaue Pisten kein Problem mehr darstellen und ich Spaß an dem Ganzen entwickeln kann :-). Als erste Tat dorthin habe ich mir nun doch eine Protektorhose bestellt, damit das Fallen auf den Allerwertesten nicht mehr so schmerzhaft werden wird :-).