Und ich sag Jein

TO SEE THE WORLD, THINGS DANGEROUS TO COME TO, TO SEE BEHIND WALLS, TO DRAW CLOSER, TO FIND EACH OTHER AND TO FEEL. THAT IS THE PURPOSE OF LIFE.
(aus: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty)

Vielleicht kennt ihr das Gefühl, dass euer Herz zu euch spricht, aber der Kopf dagegen redet. Wenn man euch dann anspricht, was los ist, dann fängt man an zu erzählen und landet bei einem “Jein”. Herz sagt ja, Kopf sagt nein und dann hat man den gemischten Wortsalat. Hört man auf das Herz läuft man Gefahr, verletzt zu werden, hört man jedoch auf den Kopf, geht man zwar den sicheren Weg, aber verpasst ggf. auch etwas oder irgend jemanden. Daher sind diese Herz-Kopf-Konflikte nicht so schön und jeder geht damit anders um. Normalerweise würde ich immer sagen, wenn mich ein Freund/Freundin um Rat fragt: “Hör auf dein Herz! Denn nur das zählt und nur DAS macht dich im Endeffekt wirklich glücklich.” Leichter gesagt als getan, denn dazu gehört auch meistens eine nicht zu verachtende Portion Mut. Neben dieser Herz-Kopf-Konflikte kommt dann noch das Thema “Einfach mal machen” hinzu. Diese beiden Themen gehören oft zusammen, denn Menschen, denen es leichter fällt, einfach mal zu machen, sind auch grundsätzlich eher Herzmenschen.

Warum ich über dieses Thema schreibe? Weil es derzeit in den Medien recht präsent war. Durch z.B. den Film von Ben Stiller “Das erstaunliche Leben des Walter Mitty” und vor allem durch Julia Engelmann´s Poetry Slam Beitrag “Mut ist nur ein Anagramm von Glück”. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch ein wenig mich selbst betrifft. Diese blöden Herz-Kopf-Konflikte holen mich auch immer mal wieder ein und dann habe ich oft das Gefühl, in einer emotionalen Zwickmühle zu sitzen… Meistens finde ich da natürlich wieder heraus (von alleine oder durch andere). Denn Herausfinden sollte man aus dieser Situation, ansonsten akzeptiert man das Gefühl, ignoriert es irgendwann und endet z.B. wie in Julia Engelmann´s Text beschrieben:

“Ich würd gerne so vieles tun, meine Liste ist so lang. Aber ich werd eh nie alles schaffen, also fang ich gar nicht an.”

Der Trott des Alltags lähmt uns, wir brechen nicht mit gewohnten Mustern, denn es könnte ja etwas schief gehen…. Wir trauen uns wenig, gehen kaum Wagnisse ein, durchdenken alles 20 mal, wägen Pro und Kontra ab, stehen uns selbst im Weg. Der Text von Julia ist schön und trifft absolut den Kern, ihre Art es vorzutragen ist schlicht und einfach, ohne viel Dramatik und daher grandios.

Nun zu meinem Aber: Ich finde es erschreckend, dass diese Worte, die sie sagt, dass die Botschaft, die sie transportiert, scheinbar so etwas “Neues” für viele unter uns ist. Dass es dieses Video braucht, um auf Facebook zu schreiben: “Verdammt, sie hat recht! DAS regt endlich mal zum nachdenken an.” Meine Timeline war voll von diesem Video und ja es ist gut, aber braucht man ein Video, um zu erkennen, dass wir alle mehr leben müssen?! Ich vermute, dass die meisten Menschen diese Botschaft nach 3-4 Wochen wieder vergessen haben werden, wenn sie es jetzt nicht schon haben. Man braucht kein Video, um “einfach mal machen” umzusetzen, man braucht sich selbst dazu und die entsprechende innere Einstellung zu sich selbst, zu anderen und zum Leben allgemein. Anstatt also das Video 20 mal zu posten und 50 mal zu schreiben weil geil das doch ist, geht einfach raus und erlebt ein Abenteuer wie Walter Mitty  (im übertragenen Sinne gemeint, nicht genau das selbe 😉 ). Für alle, die den Film noch nicht kennen: “Das erstaunliche Leben des Walter Mitty” handelt von einem Leben, welches sich der Hauptdarsteller nie gewünscht hat. Früher Iro und Skateboarder, heute im Fotoarchiv eines Outdoor Magazins. Gefangen in seiner Rolle flüchtigt er sich in Tagträume. Irgendwann kommt der Punkt – und wie soll es auch anders sein: eine Frau ist der Auslöser 😉 – , an dem er sich spontan auf ein Abenteuer einlässt und er sich endlich aus dem Alltagskorsett befreien kann. Der Film ist kein Meisterwerk, aber er ist schön. Raus aus dem Alltag, rein in das Abenteuer und ggf. kommt man so an Orte und trifft Menschen, die einem sonst nie begegnet wären.

Mein persönliches “Abenteuer” derzeit ist u.a. das Snowboardfahren lernen. Das mache ich einfach mal und habe nicht lange überlegt. Einfach mal zwei Urlaube gebucht, ohne überhaupt vorher gefahren zu sein, tausend mal auf den Arsch geflogen und trotzdem weitergemacht. Zwar ist das nur ein kleines Beispiel, aber ich kenne viele, die in meinem Alter sind und sagen: “Ach, Snowboardfahren würde ich auch gerne nochmal lernen, aber ich bin zu alt und außerdem muss ich mir ja dann alle Sachen kaufen und ich bin dafür sicherlich zu unsportlich…” Dazu sage ich nur “Yo” (im Sinne von: wenn man es JETZT mit 30 nicht probiert, probiert man es mit 40 sicherlich erst recht nicht mehr).

So, das wär´s fast von meiner Seite aus…. Aber auf  einen Song möchte ich doch noch einmal aufmerksam machen: “Manfred Mustermann” von Blumentopf (Anmerkung: nicht meine Musik, aber der Text und die Songidee sind super und daher auch wert hier aufgenommen zu werden). In dem Song geht es um das Leben und um ein Leben,was die meisten führen. Getriggert von Vernunft, beherrscht von Sicherheit, Statussymbolen, chronische Unzufriedenheit und dem Streben, nach dem, was man gerade nicht hat. Das Herz bleibt dabei auf der Strecke und man selbst zwangsläufig auch. Man wird zu einem Mustermenschen ohne Ecken und Kanten, man wird konform.

Blumentopf – Manfred Mustermann

Es soll nicht heißen, dass man keine Vernunftsentscheidungen treffen sollte. Natürlich sollte man das und manchmal sind die sogar zwingend erforderlich. Aber es muss genug Raum sein für das Herz, für die Emotionen, für den Mut, verrückte Pläne zu schmiede. Nicht nur träumen, sondern einfach mal machen. Denn während man Jahre überlegt “man würde ja, wenn man könnte” hätte man es schon längst gemacht haben können!

“Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis.
Vielleicht ist keines da.”
Frank Kafka

P.S.: Und was ist euer nächstes Abenteuer :-)?

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

2 Gedanken zu „Und ich sag Jein“

  1. Hey* mein nächstes Abenteuer sind 3 Wochen Panama alleine, aber das ist gar nicht so wichtig. Wichtiger ist doch einfach, im Alltag den Mut zu haben, sich zu überwinden. Nicht nur zu funktionieren und nicht nur sich an Rastern und Gewohnheiten zu orientieren. Deswegen habe ich unter anderem das Julia-Video auch verlinkt: weil ich so oft von Konjunktiven umgeben bin. Und bei mir sind es eben die Leute um die 40 (und leider vor allem Frauen), die sagen “ach ich weiß nicht”.
    Ich habe gelernt, dass mein Herz, meine Intuition entscheidet. Und sie hat recht. Somit bestätigt sie meinen Mut. Und bestätigter Mut wird stärker.
    Und es ist toll, mit 38 aufm Longboard zu stehen und sich zu überwinden. Mit 8 Jahren ist man todesmutig den Berg runtergefahren. Egal ob man hinfällt oder nicht. Und jetzt? Ist jetzt etwas anders? Nur, dass die Fallhöhe höher ist. Aber sonst? Weg mit dem einschränkenden Schiss. Sich überwinden und raus gehen. Ohne Carpe Diem oder YOLO. Einfach das Leben leben. Und nichts bereuen.

    1. Hey Isa,

      ja das stimmt. Diese Konjunktive “ggf., vielleicht, mal schauen, möglicherweise, eventuell, ich weiß noch nicht” umgeben einen immer mehr…. Aber ich möchte mich davon nicht ganz ausnehmen…. Und das, was du mit dem Longboard machst, mache ich mit dem Snowboard :-D. Auf jeden Fall ein großes Like für deine Einstellung und auch für deine Reise alleine nach Panama. DAS wäre etwas, was ich mich in der Tat noch nicht trauen würde, aber was nicht ist, kann ja noch werden! Denn ich sammele ja gerade Mut :-).

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