Urlaubswoche – Tattoowoche

Diese Woche hatte ich Urlaub. Neben Fenster putzen, Hirschgeweih schwarz lackieren, ein Fahrrad bei Ebay Kleinanzeigen kaufen, ausschlafen, lecker Kochen, das schöne Wetter und Hamburg genießen, Essen gehen bei meinem Lieblingsitaliener “A Modo Mio” und Abends Star Wars Episoden 1 bis 3 gucken, habe ich mich bei Bernd von Tattoo Freestyle in Harburg tätowieren lassen. Endlich ziert das dritte Tattoo meine rechte Körperseite. Wer mich nicht kennt, vermutet nicht, dass ich auf Tattoos stehe und vor allem selbst welche habe. Aber weit gefehlt: Ich steh drauf! Nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen ;-).
Es gibt viele Gründe für Tätowierungen: Sei es, weil man es einfach schön findet, weil es aus einer Laune heraus passiert und oft als “Jugendsünde” abgetan wird, oder weil man einen Teil von sich ausdrücken bzw. einen Lebensabschnitt festhalten will. Ich selbst stehe auf Tattoos mit Bedeutung, mit einer Geschichte. Blumen, Tribals oder Delfine als Tattoos gibt es auch heute immer noch, aber sie würden für mich selbst nicht in Frage kommen. Für mich muss eine Tätowierung nicht einfach nur gut aussehen. Ich möchte über das Tattoo etwas über den Menschen erfahren, der es trägt. Was steckt dahinter? Was hat einen bewegt? Denn schließlich ist es für immer und nicht ein Haarschnitt, den man sich schneiden lässt.
Zugegeben mein erstes Tattoo, welches ich mit 19 habe stechen lassen, war zwar wohl überlegt, aber ist zu einer Zeit entstanden, in der es mir noch nicht wichtig war, mich selbst in diesem Tattoo wiederzufinden. Daher wurde es das typische Tribal auf dem Steiß, ein “Arschgeweih” eben.  Danach habe ich zehn Jahre lang gewartet bis der Wunsch zur zweiten Tätowierung entstanden ist. Seit 2010 ziert somit ein Zitat von Joseph Joubert meine Innenseite am linken Oberarm. Hintergrund bei dem Tattoo ist die permanente Erinnerung daran, wie ich leben möchte. “La raison peut nous avertir de ce qu’il faut éviter, le coeur seul nous dit ce qu’il faut faire.” Was so viel heißt wie: Höre auf dein Herz. Denn das ist das, was ich in meinem Leben nicht vergessen möchte: Leben, so dass es mich glücklich macht, und nicht leben, weil es die eigene Vernunft oder die Gesellschaft es so wollen. Viele Jahre habe ich mehr nach meinem Kopf gelebt und glücklich hat mich das nicht gemacht. Nicht ohne Grund bin ich aus OWL weg und nach Hamburg gezogen. Denn Hamburg war immer meine Wunschstadt. Die Gründe, warum ich in OWL so viele Jahre geblieben bin, waren eher rationaler und “sicherheitsliebender” Natur. Aber es ist nicht leicht, seinen Kopf auszuschalten und endlich das zu tun, was einen glücklich macht. Denn oft geht dies nicht ohne Wunden zu hinterlassen –  bei einem selbst und bei anderen. Nun, zwei Jahre später, habe ich das dritte Tattoo. Der Wunsch dazu entstand schon im Sommer 2011. Es sollte ein Rippentattoo auf der rechten Körperseite werden und wieder einen Schriftzug enthalten. Aber was genau wusste ich nicht. Im Herbst 2011 ist dann meine Oma gestorben. Ich habe für sie einen Blogbeitrag geschrieben, welchen ich auch in ein wenig gekürzter Fassung auf ihrer Beerdigung vorgetragen habe. Nach ihrem Tod formte sich die Idee des Tattoos: Das Zitat von meinem Lieblingsdichter Rilke in Verbindung mit einem Engel. Das Zitat “Wenn Du an mich denkst, erinnere Dich an die Stunde, in welcher Du mich am liebsten hattest.” verbinde ich aber nicht nur mit dem Tod meiner Oma, sondern halte ich grundsätzlich für eine wunderbare und schöne Einstellung zum Thema Tod und Abschied. Da meine Oma Engel sehr mochte, wollte ich diesen Satz mit einem Engel im Hintergrund umschließen. Da ich kein Künstler bin, musste ich also einen Tätowierer finden, welcher meine Idee so umsetzen konnte, so dass das Motiv nicht kitschig wirkt. Folglich begann meine Suche nach einem passenden Tätowierkünstler. Bis ich von einem Arbeitskollegen auf Tattoo Freestyle aufmerksam gemacht wurde, habe ich mir diverse Studios angesehen und war schockiert von solchen Aussagen wie: “Ja ok, lad dir die Schrift und das Bild eines Engels aus dem Internet runter und dann stechen wir dir das dann.” Bitte?! Ich wollte doch kein Bild aus dem Internet tätowiert haben, sondern etwas einzigartiges gestochen bekommen. Bei Bernd in Harburg habe ich mich dann sofort wohlgefühlt und als Künstler versicherte er mir, dass er selbst Entwürfe zeichnet und nicht etwas Zusammenkopiertes aus dem Internet nehmen würde. Somit habe ich dann im November 2011 den Termin für März 2012 gemacht – genug Zeit zur Ausarbeitung des Entwurfes. Aber DAS gestaltete sich doch alles schwieriger als geplant. Irgendwie passte keiner der Entwürfe so richtig in das Bild, welches ich haben wollte und welches sich im Kopf festgesetzt hatte. Am 27.03.2012 war es dann soweit und bis zu meinem Termin um 13 Uhr hatte ich (leider) immer noch keinen Komplett-Entwurf, welchen ich mir tätowieren lassen wollte. Die Schrift stand fest und auch der kleine Totenkopf, aber der Engel bereitete mir Unwohlsein im Bauch. Ich wusste nicht genau, was es war, aber etwas störte mich. Zeichnerisch waren die Entwürfe von Bernd allesamt perfekt, aber auf meinen Körper für immer? Unvorstellbar! Ich war sooooo kurz davor abzusagen….Aber nach guter Zusprache von Bianca via Facebookchat fuhr ich dann doch nach Harburg, um mit Bernd persönlich zu sprechen. Innerlich hatte ich mich aber schon von meiner Tätowierung verabschiedet. Doch unverhofft kommt wie immer oft. Auf dem Weg nach Harburg und mit Deichkinds “Illegale Fans” im Ohr formte sich ein Bild in meinem Kopf und dieses Bild besprach ich direkt mit Bernd vor Ort und innerhalb von 15 Minuten wars fertig :-). Danach begannen zwei Stunden Schmerzen (ja, es tat echt weh), aber auch die Vorfreude auf das geile Tattoo. Und dann wars endlich soweit: Der Blick in den Spiegel und ich muss sagen ich war wirklich extrem begeistert, weil es noch besser geworden ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Und daher auch hier das Bild meines neuen Tattoos, weil ich es euch Lesern nicht vorenthalten mag ;-).

Es sieht aus wie gezeichnet. Markenzeichen von Bernd und genau das, was ich wollte. Das Zitat und der Totenkopf sind geblieben, aber der Engel ist, bis auf den Flügel, komplett entfallen. Denn was mich an den vorherigen Entwürfen wirklich gestört hat waren die menschlichen “Elemente” wie Körper, Kopf und Arme. Ohne diese wirkt es einfach klasse und der Flügel passt perfekt zu der Position auf den Rippen. Mein neues Tattoo tut noch ein wenig weh, aber das Heiljucken (ich finde das Jucken persönlich schlimmer als die Schmerzen beim Tätowieren selbst…) fängt schon an.
Vor Ort habe ich direkt mit Bernd für den 10.10.2012 einen neuen Termin gemacht. Was ansteht? Ein Cover Up des Steiß Tattoos, meiner (einzigen 😀 ) “Jugendsünde”. Ich stehe zwar zu dem Tattoo, aber es passt nicht mehr zu mir. Es hat keine Bedeutung mehr für mich und die soll es wieder bekommen. Die Idee steht schon und das Bild in meinem Kopf auch. Noch sechs Monate warten, aber auch die gehen schnell vorbei :-).
Am kommenden Osterwochenende geht es dann zur 13. Tattoo Convention in Hamburg. Da wird es sicher einiges zum Gucken geben :-).
Abschließen möchte ich heute mit einem wunderbaren Zitat von Neil Gaimen aus dem wundervollen Buch “The Graveyard Book“: “Face your life, its pain, its pleasure, leave no path untaken.”

Denn bis denn und euch allen ein schönes Restwochenende.

Veröffentlicht von

Janka

Janka

Ein Nordlicht, ein Stern, liebenswürdig, herzlich, emotional, redselig, manchmal laut, tollpatschig, organisiert chaotisch, ehrgeizig, sportlich, Bücherwurm, Vegetarierin, Weinliebhaberin, ungeduldig…. meistens und stur….zumindest gelegentlich.

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